vw Tiguan Test

Volkswagen hat kürzlich das erfolgreichste SUV Europas – den Tiguan – auf eine höhere Evolutionsstufe gehoben. Damit schaffen alle wesentlichen Technologiebereiche des Erfolgsmodells einen Sprung nach vorn – der Charakter freilich hat sich nicht geändert.

Während bei den Turbodieselmotoren auf „Twindosing“ gesetzt wird – dies macht den TDI übrigens zu einen der weltweit saubersten Verbrennungsmotoren – das neue Infotainmentsystem mit einer Vielzahl an modernen Gadgets glänzt und die neuen „IQ Light – LED-Matrixscheinwerfer“ mehr Licht ins Dunkel bringen, bleibt sich der Tiguan als braves Familien-SUV absolut treu. Manchen ist dabei die Karosserielinie etwas zu schlicht gehalten – denen legt VW das R-Line Paket ans Herz. Große Lüftungsöffnungen an der Frontschürze und bis zu 20 Zoll große Felgen sorgen dann für einen mächtigen SUV-Auftritt.

Verzichtet man auf das R-Line Paket, entlarvt einzig die Frontpartie den neuen Jahrgang.

Was nicht auf den ersten Blick auffällt ist die etwas höhere Motorhaube, der geringfügig breitere Kühlergrill im aktuellen VW Marken-Design und das neue geradlinigere VW-Emblem. Beim Heck gibt´s nicht so viel zu vermelden – am auffälligsten ist da der nun mittig unter dem VW-Zeichen angeordnete Tiguan-Schriftzug und die beiden Fake-Auspuffblenden im Stoßfänger.

Die beim Tiguan besonders beliebten TDI-Motoren erhalten zwei nacheinander angeordnete SCR-Katalysatoren mit einer jeweils separaten AdBlue-Einspritzung – das nennt VW “Twindosing”. SCR-Kat Nummer Nummer eins ist dabei nah am Motor angeordnet, dadurch erreicht er bereits kurz nach dem Start seine Betriebstemperatur. SCR-Katalysator Nummer zwei befindet sich im Unterboden. Durch den größeren Abstand zum Motor sind die Abgase dort um bis zu 100 Grad Celsius kühler. Dieser Kat arbeitet besonders gut bei starker Last.

Der 150 PS starke TDI im Testwagen zeigt sich gewohnt kultiviert und kraftvoll.

Das Nageln haben ihm die VW-Ingenieure fast zur Gänze ausgetrieben – die Mini-Anfahrschwäche resultiert nicht aus einem Turboloch, sondern stammt vom gekoppelten 7-Gang-DSG, welches teilweise etwas verhalten in die Gänge kommt. Einmal in Fahrt funktioniert die Schalterei aber dann schnell und unmerklich.

Fahrdynamisch gehört der VW Tiguan nach wie vor zu den eher komfortabel abgestimmten SUV. Das können nicht einmal die am Testwagen montierten Zwanzig-Zoll-Walzen verhageln. Auch damit rollt der Tiguan relativ geschmeidig ab. Vor allem im “Komfort” oder “Normal” Modus macht das SUV auf Reisen jede Menge Freude – aber das war auch beim Vorgänger nicht anders.

Erstmals im Tiguan kommt eine neue Evolutionsstufe des IQ Light – LED-Matrixscheinwerfers zum Einsatz. Über eine Matrix aus 24 LED pro Scheinwerfermodul werden verschiedene und zum Teil interaktive Lichtfunktionen aktiviert und auf die Straße projiziert. Ein weiteres erstmals im Tiguan integriertes Feature ist eine animiert „wischende“ Blinkfunktion.


Der Tiguan bietet jetzt auch neue Infotainmentsysteme, die online mit verschiedensten Services und Dienstleistungen vernetzt sind. Je nach Ausstattung bieten die Systeme neue Features, wie zum Beispiel die aktuelle Generation der automatischen Distanzregelung „ACC“ welche vorausschauend auch Geschwindigkeitsbeschränkungen, Ortseinfahrten, Kreuzungen oder Kreisverkehre berücksichtigt. Dazu kombiniert das Assistenzsystem die Signale der Frontkamera sowie die GPS- und Kartendaten des Navigationssystems. Funktioniert sehr gut und wird uns wahrscheinlich auch das eine oder andere Strafmandat ersparen.

Leider wurde auch der Tiguan innen fast völlig “entknopft” – dies schafft zwar eine cleane und moderne Optik, schadet aber – und wir wiederholen uns da leider immer wieder – eindeutig der ablenkungsfreien Bedienbarkeit. Beispiel Lenkrad – das sieht jetzt richtig toll aus, mit den beleuchteten Feldern – nur warum um Himmels willen wurden alle darauf befindlichen haptischen Schalter durch konturlose Slider oder Touchflächen ersetzt. Dasselbe Spiel auf der Mittelkonsole. Einzig die Knöpfe rund um den DSG-Shifter haben sie uns gelassen. Muss man leider damit leben… und weil wir gerade beim Jammern sind: Es dauert gefühlt eine Ewigkeit, bis das (tolle) Navigationssystem nach dem Wegfahren hochgefahren ist – das ist etwas nervig.

Unser Fazit

Bestehende Tiguan Fans werden wohl auch den neuen Jahrgang mögen. Seine Stärken, vor allem bei der Qualität und beim Fahrkomfort gingen nicht verloren und bei den elektronischen Helferlein wurde ordentlich draufgelegt – die meisten davon funktionieren auch wirklich toll. Dass das Design des Tiguan nicht unbedingt expressiv ist, ist ebenfalls bekannt aber auch das hat den wahren Liebhaber noch nie gestört – dagegen hilft ein wenig der Griff in die Extraliste (siehe R-Line). An was man sich (leider) gewöhnen muss ist, dass nun auch der VW Tiguan bei der Bedienbarkeit einen ziemlichen Rückschritt gemacht hat. Aber echte VW-Fans wird das wohl nach einer gewissen Eingewöhnungszeit auch nicht stören.

Daten Fakten VW Tiguan TDI 4Motion R-Line
Motor: 2-Liter Turbodiesel
Leistung: 150 PS
Drehmoment: 360 Nm ab 1.600 U/min
Testverbrauch: 6,2 Liter Diesel / 100 km
Preis ab EUR 46.190,-
Testwagenpreis: EUR 57.106,90

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