Der OMODA 5 HEV kostet in der Premium Line 29.990 Euro, leistet 224 PS und fährt mit einer Ausstattung vor, bei der offenbar niemand rechtzeitig „Genug!“ gerufen hat. Wir testen den chinesischen Vollhybrid – und suchen noch immer nach dem großen Haken. Einen kleinen haben wir bereits gefunden. Der ist für die Handtasche. Und wir lieben ihn.




Es gab Zeiten, da genügte ein unbekanntes Logo am Kühlergrill, und der österreichische Autokäufer flüchtete sicherheitshalber zum nächsten Golf. Diese Zeiten werden gerade neu verhandelt. Chinesische Hersteller kommen längst nicht mehr nur über den Preis. Sie kommen mit mutigem Design, hochwertiger Verarbeitung, viel Technik und einer Serienausstattung, bei der europäische Konfiguratoren nervös zu blinken beginnen.
Der OMODA 5 HEV ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Hinter der Marke steht der chinesische Chery-Konzern, OMODA selbst soll die design- und lifestyleorientierte Kundschaft ansprechen. Das klingt zunächst nach Marketingabteilung, sieht auf der Straße aber durchaus eigenständig aus.
Unser Testwagen tritt in der Premium Line an. Preis: 29.990 Euro zuzüglich 240 Euro Auslieferungspauschale. Dafür gibt es Vollhybridtechnik, 224 PS Systemleistung und beinahe alles, was sich in einem modernen SUV elektrisch verstellen, beheizen, belüften oder beleuchten lässt.
Außen selbstbewusst, innen erstaunlich nobel
Mit 4,45 Metern Länge spielt der OMODA 5 mitten im Revier der kompakten SUV. Dort herrscht mittlerweile ein Gedränge wie am Supermarktparkplatz vor einem verlängerten Wochenende.
Optisch versucht der OMODA deshalb erst gar nicht, unauffällig zu bleiben. Die Front ist breit und markant, die Lichtsignatur schmal, die Seitenlinie steigt nach hinten an und das Dach fällt coupéhaft ab. Das ergibt einen sportlichen, modernen Auftritt, ohne gleich in gestalterische Hysterie zu verfallen.
Die eigentliche Überraschung wartet allerdings im Innenraum. Die Verarbeitung unseres Testwagens ist ausgesprochen hochwertig. Verkleidungen sitzen sauber, Nähte laufen ordentlich und die Bedienelemente fühlen sich solide an. Dazu kommen Kunstleder, metallisch glänzende Schalter, Ambientebeleuchtung und ausreichend Klavierlack, um nebenbei eine kleine Fingerabdruckdatenbank anzulegen.
Der OMODA 5 wirkt innen jedenfalls nicht wie ein Auto, bei dem der günstige Preis an jeder Ecke erklärt werden muss. Im Gegenteil: Manche deutlich teureren SUV dürften hier kurz prüfend über ihre eigenen Türverkleidungen streichen.
Der vielleicht beste Haken im ganzen Auto
Und dann wäre da noch dieses herrlich unspektakuläre Detail auf der Beifahrerseite: eine Art Handtaschenhalter.
Ja, richtig gelesen. Ein Platz beziehungsweise Haken, an dem die Tasche nicht im Fußraum herumkugelt, bei der ersten Kurve ihren Inhalt verteilt oder auf dem Beifahrersitz den Gurtwarner zu einem nervösen Dauerpiepsen animiert.
Der OMODA 5 ist tatsächlich das erste Testfahrzeug, bei dem uns eine derart praktische Lösung für die Handtasche begegnet ist. Keine weitere Fahrdynamik-App, kein animierter Energiefluss und kein zusätzlicher Bildschirm – einfach ein sinnvoller Platz für etwas, das im Alltag tatsächlich mitfährt.
Wie geil ist das denn?
Manchmal besteht echter Fortschritt eben nicht aus noch mehr Software. Manchmal ist er einfach ein gut platzierter Haken.
Zwei Bildschirme und ein Menü für jede Lebenslage
Vor dem Fahrer breiten sich zwei jeweils 12,3 Zoll große Displays aus. Zusammen ergibt das beinahe digitales Breitwandkino. Nur der Abspann fehlt – wobei man sich bei der Tiefe der Menüs nicht sicher sein kann, ob er nicht irgendwo aktiviert werden kann.
Die Anzeigen sind scharf, modern gestaltet und gut zum Fahrer ausgerichtet. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto gehören ebenso zur Serienausstattung wie Sprachsteuerung, DAB-Radio, Bluetooth und eine induktive Smartphone-Ladestation mit bis zu 50 Watt.
Die Zahl der Einstellmöglichkeiten ist enorm. Fahrmodi, Assistenzsysteme, Fahrzeugdarstellung, Beleuchtung, Komfortfunktionen und Warnhinweise können teilweise bis ins Detail angepasst werden. Technikfans dürfen sich austoben. Wer lediglich die Temperatur ändern oder einen Assistenten beruhigen möchte, braucht anfangs etwas Geduld.
Ein klassischer Lautstärkedrehregler fehlt. Das ist leider kein exklusives OMODA-Problem, sondern eine automobile Modeerscheinung. Vermutlich endet sie erst dann, wenn der letzte Touchscreen-Entwickler auf einer holprigen Straße versucht hat, die Musik leiser zu stellen.
In unserem Test fällt außerdem die Bildschirmhelligkeit auf. Selbst im Tagesmodus erscheint das Display manchmal etwas zu hell. Die Helligkeit lässt sich zwar anpassen, die automatische Abstimmung dürfte aber noch etwas feinfühliger arbeiten.














Premium Line: Da geht noch was? Eigentlich nicht.
Bei der Ausstattung stellt sich weniger die Frage, was der OMODA 5 Premium Line hat. Interessanter wäre, was überhaupt noch fehlt.
Serienmäßig an Bord sind unter anderem:
- elektrisch verstellbare Vordersitze
- Sitzheizung und Sitzbelüftung vorne
- Lenkradheizung
- elektrische Heckklappe
- elektrisches Schiebedach
- Zwei-Zonen-Klimaautomatik
- mehrfarbige Ambientebeleuchtung
- Schallschutz-Doppelverglasung vorne
- 360-Grad-Kamera
- kabelloses Apple CarPlay und Android Auto
- induktives Laden mit bis zu 50 Watt
- LED-Scheinwerfer
- 18-Zoll-Leichtmetallräder
- umfangreiche Assistenzsysteme
- Sony-Soundsystem mit acht Lautsprechern
Bei anderen Herstellern wären einige dieser Punkte Teil eines Komfortpakets, eines Winterpakets, eines Technikpakets und vermutlich noch eines Pakets, das man bestellen muss, damit man die anderen Pakete überhaupt auswählen darf.
Beim OMODA ist das alles einfach drin. Genau darin liegt seine größte Stärke: Beim Verhältnis aus Preis, Leistung und Ausstattung ist dieser SUV derzeit nur schwer zu schlagen.
Sony flüstert lieber
Auf den Lautsprecherabdeckungen steht Sony. Das hebt die Erwartungshaltung – aber leider nicht im selben Maß den Basspegel.
Das Soundsystem mit acht Lautsprechern liefert klare Stimmen und eine ordentliche räumliche Darstellung. Für Radio, Podcasts und gepflegte Hintergrundmusik reicht das völlig. Wer seine Musik allerdings gerne laut, körperlich und druckvoll hört, könnte enttäuscht sein.
Die Anlage spielt insgesamt zu zurückhaltend. Der Bass bleibt höflich, die maximale Lautstärke überschaubar und selbst bei engagierter Bedienung entsteht nicht jene Dynamik, die der bekannte Name erwarten lässt.
Kurz gesagt: Sony ist an Bord. Die Party offenbar in einem anderen Auto.
Vollhybrid ohne Kabelsalat
Der OMODA 5 HEV ist ein Vollhybrid und kein Plug-in-Hybrid. Er besitzt daher keinen Ladeanschluss und verlangt weder Wallbox noch Ladekarte oder nächtliche Verlängerungskabelakrobatik.
Das sogenannte Super Hybrid System kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit einem Elektromotor und einer 1,83-kWh-Lithium-Ionen-Batterie. Der Benziner leistet 105 kW beziehungsweise 143 PS, der Elektromotor maximal 150 kW oder 204 PS.
Da beide Motoren ihre Spitzenleistung nicht gleichzeitig abgeben, beträgt die Systemleistung 165 kW beziehungsweise 224 PS. Das maximale Systemdrehmoment liegt bei 295 Nm.
Über ein spezielles DHT-Hybridgetriebe gelangt die Kraft an die Vorderräder. Für den Sprint von null auf 100 km/h nennt OMODA 7,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 175 km/h.
Die Batterie lädt sich beim Fahren und durch Rekuperation beim Verzögern auf. Wann der Benziner arbeitet, wann der Elektromotor übernimmt und wann beide gemeinsam antreten, regelt das Auto selbst. Der Fahrer muss sich um nichts kümmern – außer gelegentlich darum, die Energieflussanzeige wieder wegzuklicken.
Komfort statt Kurvenmesser
224 PS klingen zunächst nach Sportsgeist. Der OMODA 5 versteht sich allerdings eher als komfortabler Alltagsbegleiter denn als verkleideter Kurvenräuber.
Der elektrische Antrieb sorgt beim Losfahren für eine spontane Reaktion. Das Auto kommt zügig vom Fleck und stellt ausreichend Reserven für Überholvorgänge bereit. Der Übergang zwischen elektrischem Fahren und Verbrennungsmotor funktioniert im Alltag angenehm unauffällig.
Die Lenkung ist leichtgängig und passt gut zum entspannten Charakter. Besonders mitteilsam ist sie nicht. Wer über das Lenkrad über jeden Kieselstein persönlich informiert werden möchte, muss sich anderweitig umsehen.
Dafür wirkt der OMODA unkompliziert, komfortabel und angenehm leicht zu fahren. ECO, Normal und Sport stehen als Fahrprogramme zur Verfügung. Der Sportmodus schärft die Reaktionen, verwandelt das kompakte SUV aber erwartungsgemäß nicht in einen GTI.
Fünf Liter sind das offizielle Ziel
Der kombinierte WLTP-Verbrauch beträgt 5,3 Liter je 100 Kilometer. Der CO₂-Ausstoß wird mit 120 Gramm pro Kilometer angegeben.
Ob der OMODA diesen Wert in unserem Alltag tatsächlich erreicht, zeigt sich nach Abschluss der gesamten Testdistanz. Gerade bei einem Vollhybrid hängt das Ergebnis stark vom Fahrprofil ab. Im Stadtverkehr kann das System seine elektrische Unterstützung und die Rekuperation besonders häufig nutzen. Auf der Autobahn muss der Benziner naturgemäß mehr Arbeit übernehmen.
Mit einem 51-Liter-Tank sollte jedenfalls eine ordentliche Gesamtreichweite möglich sein. Unser endgültiger Testverbrauch folgt im ausführlichen Abschlussbericht.
Vorne großzügig, hinten wird verhandelt
Fahrer und Beifahrer genießen gute Platzverhältnisse. Die Vordersitze sind bequem, elektrisch verstellbar und in der Premium Line sowohl beheizt als auch belüftet. Die erhöhte Sitzposition sorgt für eine angenehme Übersicht nach vorne.
In der zweiten Reihe wird die Sache weniger großzügig. Sind die Vordersitze für größere Personen eingestellt, bleibt den Passagieren dahinter nicht übermäßig viel Beinfreiheit. Für Kinder und durchschnittlich große Erwachsene reicht der Platz aus. Auf längeren Strecken könnten größere Mitfahrer jedoch etwas mehr Bewegungsfreiheit vermissen.
Auch die coupéhafte Dachlinie ist kein ausgesprochener Freund maximaler Raumökonomie. Sie sieht flott aus, bezahlt wird dafür traditionell von jenen, die hinten sitzen.
Die Batterie fährt im Kofferraum mit
Die Hybridbatterie sitzt im hinteren Fahrzeugbereich und benötigt Platz. Übrig bleiben 300 Liter Kofferraumvolumen bei aufgestellten Rücksitzen. Für einen 4,45 Meter langen Kompakt-SUV ist das eher knapp.
Wer die im Verhältnis 60:40 geteilten Rücksitzlehnen umlegt, erweitert das Volumen auf maximal 1.079 Liter. Der Wocheneinkauf geht sich locker aus, das Gepäck für einen Kurzurlaub ebenfalls. Bei Kinderwagen, Familienurlaub und mehreren großen Koffern empfiehlt sich vor dem Kauf allerdings eine praktische Ladeprobe.
Die elektrische Heckklappe macht das Beladen komfortabler. Mehr Platz kann sie allerdings auch nicht herbeizaubern.
Viele elektronische Schutzengel
Der OMODA 5 bringt eine ganze Armada an Assistenzsystemen mit. Dazu zählen unter anderem:
- adaptiver Tempomat
- Spurhalteassistent
- Spurverlassenswarnung
- autonomer Notbremsassistent
- Totwinkelwarner
- Querverkehrswarnung mit Bremsfunktion
- Stauassistent
- intelligenter Ausweich-Lenkassistent
- Türöffnungswarnung
- Müdigkeits- und Aufmerksamkeitsüberwachung
- 360-Grad-Kamera
- sieben Airbags
Das sorgt grundsätzlich für ein hohes Sicherheitsniveau. Manche Helfer teilen ihre Sorgen allerdings recht häufig und akustisch mit. Es lohnt sich daher, die zahlreichen Einstellungen in Ruhe durchzugehen und die elektronischen Schutzengel an die persönlichen Vorlieben anzupassen.
Besonders nützlich ist die 360-Grad-Kamera. Ihre Darstellung ist scharf und hilft beim Rangieren, denn die coupéhafte Karosserie macht den OMODA nach hinten nicht zum übersichtlichsten Auto seiner Klasse.
Tech Sheet: OMODA 5 HEV Premium Line
| Technische Daten | OMODA 5 HEV Premium Line |
|---|---|
| Fahrzeugklasse | Kompakt-SUV |
| Antrieb | Vollhybrid, Frontantrieb |
| Verbrennungsmotor | 1,5-Liter-TGDI-Vierzylinder |
| Hubraum | 1.499 cm³ |
| Leistung Verbrennungsmotor | 105 kW/143 PS |
| maximale Leistung Elektromotor | 150 kW/204 PS |
| Systemleistung | 165 kW/224 PS |
| Systemdrehmoment | 295 Nm |
| Getriebe | DHT-Hybridgetriebe |
| Batterie | Lithium-Ionen, 1,83 kWh |
| Fahrmodi | ECO, Normal, Sport |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 7,9 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 175 km/h |
| WLTP-Verbrauch kombiniert | 5,3 l/100 km |
| CO₂-Ausstoß kombiniert | 120 g/km |
| Abgasnorm | Euro 6e EB |
| Länge | 4.447 mm |
| Breite | 1.824 mm |
| Höhe | 1.588 mm |
| Radstand | 2.610 mm |
| Leergewicht | 1.621 kg |
| zulässiges Gesamtgewicht | 2.052 kg |
| Tankinhalt | 51 Liter |
| Kofferraum | 300–1.079 Liter |
| Anhängelast gebremst | 750 kg |
| Bereifung Premium Line | 215/55 R18 |
| Preis Premium Line | 29.990 Euro |
| Auslieferungspauschale | 240 Euro |
Wo ist der große Haken?
Der OMODA 5 HEV Premium Line macht es einem erstaunlich schwer, ihn mit den üblichen Vorurteilen gegenüber neuen chinesischen Marken abzufertigen. Verarbeitung, Materialien und Ausstattung liegen deutlich über dem, was der Preis erwarten lässt. Der Hybridantrieb ist kräftig, das Auto komfortabel und das Gesamtpaket wirkt erfreulich durchdacht.
Perfekt ist es nicht. Das Infotainment bietet beinahe zu viele Möglichkeiten, manche Funktionen verstecken sich in Untermenüs und die Bildschirme dürften ihre Helligkeit feinfühliger regeln. Das Sony-Soundsystem trägt einen großen Namen, spielt aber mit kleinem Nachdruck. Hinten fehlt etwas Beinfreiheit, und der 300-Liter-Kofferraum ist eher Handgepäck als Umzugshelfer.
Dann steht da aber wieder dieser Preis: 29.990 Euro für die Premium Line. Mit Sitzheizung, Sitzbelüftung, Schiebedach, elektrischer Heckklappe, 360-Grad-Kamera, zwei großen Displays, Vollhybrid, 224 PS – und einem eigenen Platz für die Handtasche.
Anderswo ist um dieses Geld der Konfigurator noch nicht fertig geladen.
Und der einzige Haken, den wir bisher wirklich mögen, befindet sich auf der Beifahrerseite.


