Redakteur: Marco Brunnbauer
Ein Corsa mit 281 PS? Das gab’s noch nie. Noch dazu kommen die 281 Pferde rein elektrisch. Opel schickt mit dem neuen Corsa GSE einen elektrischen Hot Hatch ins Rennen, der auf dem Papier schon ordentlich Eindruck macht – und hinter dem Lenkrad erst recht!

Der Corsa war bei Opel schon immer mehr als nur ein praktischer Kleinwagen. Seit 1982 gehört er zum festen Bestandteil der Modellpalette, weltweit wurden mittlerweile mehr als 15 Millionen Exemplare verkauft. Und immer wieder gab es Varianten, die aus dem braven Kleinwagen einen kleinen Kurvenräuber machten.
Mit dem neuen Corsa GSE geht Opel nun den nächsten (logischen) Schritt. Die sportliche Tradition von GSi und OPC wird nun elektrifiziert. Das Ergebnis ist ein Kleinwagen mit 281 PS, 345 Newtonmetern und einem Fahrwerk, das ganz klar nicht für gemütliches Dahincruisen entwickelt wurde.


281 PS treffen auf 1,6 Tonnen?
Schon die nackten Zahlen lassen aufhorchen. Der Elektromotor stellt die Leistung praktisch unmittelbar bereit. Von 0 auf 100 km/h sprintet der Corsa GSE in nur 5,5 Sekunden, bei 180 km/h wird elektronisch abgeregelt.
Damit gehört der kleine Opel nicht nur zu den stärksten Corsa aller Zeiten. Er ist gleichzeitig das am schnellsten beschleunigende Serienmodell der Marke.
Die Energie kommt aus einem 54-kWh-Akku, von dem 51 kWh tatsächlich nutzbar sind. Opel nennt eine WLTP-Reichweite von bis zu 374 Kilometern. Das reicht für den Alltag locker – wer allerdings regelmäßig die volle Leistung abruft, sollte mit entsprechend höherem Verbrauch rechnen. Wenn man sich ehrlich ist: Dieses Auto wird wohl kaum für extreme Langstreckentouren missbraucht werden.

Entscheidend ist beim Corsa GSE aber nicht allein die pure Motorleistung. Opel hat sich auch beim Fahrwerk ordentlich ins Zeug gelegt.
Ein Torsen-Lamellen-Sperrdifferenzial soll helfen, die Kraft beim Herausbeschleunigen aus Kurven besser auf die Straße zu bringen. Dazu kommen ein tiefergelegtes Sportfahrwerk, speziell abgestimmte Achsen und Hydro-Stoßdämpfer. Auch die Lenkung wurde deutlich sportlicher ausgelegt.

Für die Verzögerung sorgen Vier-Kolben-Bremsen von Alcon. Die gelben Bremssättel sind dabei nicht nur ein optischer Hingucker, sondern ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass der Corsa GSE mehr kann als nur schnell geradeaus fahren.
Drei Fahrprogramme stehen zur Verfügung: Eco, Normal und Sport. Im Sport-Modus lässt Opel die komplette Leistung von 281 PS von der Leine.

Kurven statt Ampelrennen
Genau hier liegt für mich der Reiz des Corsa GSE. Ein Elektroauto mit viel Leistung ist heute keine Sensation mehr. Aber ein kompakter Stromer, der seine Leistung mit einem entsprechend abgestimmten Fahrwerk kombiniert, ist deutlich interessanter.
Das Sperrdifferenzial, die straffe Abstimmung und die direkte Lenkung machen aus dem Corsa einen echten Kurvenräuber. Das unmittelbare Ansprechen des Elektromotors sorgt dabei für den typischen Elektro-Schub, während das Fahrwerk versucht, die Kraft kontrolliert auf die Straße zu bringen.


Der Corsa GSE soll also nicht einfach nur schnell sein. Er soll sich schnell anfühlen. Und genau das ist der Unterschied zwischen einem leistungsstarken Elektroauto und einem elektrischen Hot Hatch.
Breite Backen und gelbe Bremssättel
Auch optisch macht der GSE keinen Hehl aus seinem sportlichen Anspruch. Die Karosserie erhält eine eigenständige Front- und Heckpartie, dazu kommen verbreiterte Radhäuser, ein schwarzes Dach, Heckspoiler und 18-Zoll-Leichtmetallräder.
Besonders ins Auge stechen natürlich die oben erwähnten gelben Alcon-Bremssättel. Dazu kommen GSE-Logos an mehreren Stellen. Der Corsa wirkt dadurch deutlich selbstbewusster als seine zivileren Brüder, ohne dabei völlig übertrieben aufzutreten.

Sportliche Atmosphäre im Innenraum
Auch im Cockpit setzt Opel auf eine Mischung aus Motorsport-Anleihen und moderner Elektrowelt. Die Alcantara-Performance-Sitze mit integrierten Kopfstützen, gelbe Sicherheitsgurte und Karo-Muster erinnern bewusst an die sportlichen Corsa-Vorgänger. Gleichzeitig ist die Bedienung ganz im Hier und Jetzt angekommen.

Digitales Fahrerdisplay und ein zentraler 10-Zoll-Touchscreen gehören zum Konzept. Besonders nett für sportlich orientierte Fahrer: Auf dem Display können unter anderem Beschleunigungswerte, G-Kräfte und Informationen zum Akku dargestellt werden.
Bei der Komfortausstattung muss man ebenfalls keine Abstriche machen. Beheizbare Sitze, Navigation, adaptive Geschwindigkeitsregelung und Rückfahrkamera sind ebenso an Bord wie die Möglichkeit zum bidirektionalen Laden über Vehicle-to-Load.

Mein Eindruck
Der Corsa GSE zeigt ziemlich eindrucksvoll, wohin die Reise bei elektrischen Kleinwagen gehen kann. Elektro muss nicht automatisch vernünftig, leise und emotionslos bedeuten.
281 PS, 5,5 Sekunden auf 100 km/h, Sperrdifferenzial, Sportfahrwerk und große Bremsen sind Werte, die man eher in einem deutlich größeren Sportwagen vermuten würde.
Gleichzeitig bleibt der Corsa ein kompakter Kleinwagen, der sich im Alltag problemlos bewegen lässt. Genau diese Kombination macht den GSE interessant: Er kann praktischer Alltagsstromer sein – und auf der kurvigen Landstraße plötzlich den sportlichen Charakter zeigen, der in der Corsa-DNA seit Jahrzehnten steckt. Der elektrische Hot Hatch ist damit endgültig im Kleinwagensegment angekommen.
Bestellbar ist der neue Opel Corsa GSE ab sofort ab durchaus reizvollen 32.990 Euro.

Fazit
Der Corsa GSE ist kein Elektro-Corsa mit ein bisschen mehr Leistung. Er ist ein eigenständiger Sportler. Opel verbindet die unmittelbare Kraft eines Elektroantriebs mit einem konsequent auf Fahrdynamik ausgelegten Paket. Wer kompakte Autos liebt und trotzdem auf Fahrspaß nicht verzichten möchte, dürfte am Corsa GSE seine Freude haben.

