Toyota Hilux 2.8 Diesel Mildhybrid: 204 PS, fast eine Tonne Zuladung und jede Menge Zugkraft. Ein Pick-up, der lieber anpackt, als große Reden über Elektromobilität zu schwingen.
In Zeiten, in denen Autohersteller immer öfter mit riesigen Displays, künstlichen Soundkulissen und möglichst vielen elektrischen Fahrmodi in ihren Fahrzeugen beeindrucken wollen, wirkt der Toyota Hilux beinahe wie Anachronismus. Ein riesiger Pick-up mit kräftigem Dieselmotor, Leiterrahmen und zuschaltbarem Allradantrieb. Einer, der keine Fragen aufwirft, sondern sie einfach abarbeitet.

Groß, größer, Hilux
Schon beim Einsteigen wird klar: Dieser Toyota ist kein Fahrzeug für enge Tiefgaragen und nervöse Parkplatzsucher, wenngleich seine gute Übersichtlichkeit viele deutlich kleinere Fahrzeuge in den Schatten stellt. Mit rund 5,32 Metern Länge ist der Hilux ein ordentliches Stück Automobil. Und damit bietet er Talente, die bei gewöhnlichen SUVs meist schon in der Marketingabteilung enden.
Bis zu 960 Kilogramm Zuladung und eine Anhängelast von 3.210 Kilogramm machen ihn zum verlässlichen Partner für alle, die tatsächlich etwas transportieren oder ziehen müssen. Ob Baumaterial, Arbeitsgeräte, Freizeitutensilien oder einen schwerer Anhänger – der Hilux nimmt alle Aufgaben ernst. Seine Ladefläche ist schließlich kein dekoratives Accessoire für den Stadtbummel.

Diesel statt Dauerstrom
Es gäbe den Hilux auch als Vollelektriker – unter der Haube unseres Testwagens arbeitet jedoch ein 2,8-Liter-Vierzylinder-Diesel, der dank Mildhybrid-Unterstützung auf 204 PS kommt. Das maximale Drehmoment von 500 Newtonmetern sorgt dafür, dass der Hilux auch mit ordentlich Gewicht am Haken nicht gleich die Lust verliert.

Der Motor packt kräftig zu und passt hervorragend zum Charakter des Fahrzeugs. Allerdings macht er dabei akustisch durchaus auf sich aufmerksam. Wer zuletzt hauptsächlich elektrisch unterwegs war, könnte beim ersten Start beinahe erschrecken: Ja, ein Motor darf tatsächlich noch hörbar arbeiten! Dieser Hilux klingt nicht nach futuristischer Stille, sondern nach ehrlicher Verbrennungstechnik. Dazu kommt die übliche große Diesel-Reichweite. Statt ständig nach der nächsten Lademöglichkeit Ausschau zu halten, fährt man einfach weiter. Gerade bei langen Strecken, schwerer Arbeit oder Einsätzen abseits der Zivilisation ist das ein handfester Vorteil.

Komfort ist eine Frage der Beladung
Bei der Federung sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Der Hilux ist schließlich ein Arbeitstier und kein weichgespülter Luxus-SUV. Ohne Zuladung gibt sich das Fahrwerk entsprechend straff und kann auf schlechten Straßen durchaus deutlich auf Unebenheiten reagieren.

Packt man hinten ordentlich was drauf oder fährt man vollbesetzt, wird der Toyota deutlich komfortabler. Mit entsprechender Zuladung arbeitet die Federung harmonischer und der Hilux liegt ruhiger auf der Straße. Das ist kein Fehler, sondern Teil des Konzepts – Pick-up-Fahrer kennen das.
Im Gelände zeigt der Toyota Hilux dann, weshalb sein Name weltweit einen ausgezeichneten Ruf genießt. Der robuste Aufbau, der Allradantrieb und die auf den Einsatzzweck abgestimmte Technik machen ihn zu einem souveränen Begleiter auf losem Untergrund, steilen Passagen und anspruchsvollen Wegen. Wo man mit einem schicken SUV lieber umdreht, beginnt für den Hilux erst der wirklich interessante Teil der Strecke.

Handfest statt Touchscreen-Hysterie
Im Innenraum verbindet Toyota robuste Funktionalität mit moderner Technik. Die Verarbeitung ist erstklassig, die Materialien wirken solide und das Cockpit macht einen angenehm langlebigen Eindruck. Hier hat man nicht das Gefühl, dass beim ersten Einsatz mit Arbeitshandschuhen gleich etwas beleidigt den Dienst quittiert.
Besonders erfreulich sind die ordentlichen Haltegriffe – diese helfen beim Erklimmen des Fahrzeugs – und eine Vielzahl an haptischer Tasten. Viele Funktionen lassen sich direkt bedienen, ohne sich durch verschachtelte Bildschirmmenüs kämpfen zu müssen. Gerade in einem Fahrzeug, das auch abseits asphaltierter Straßen unterwegs ist, ist das ein echter Pluspunkt.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es trotzdem: Ein klassischer Drehregler für die Lautstärke fehlt. Ausgerechnet bei einem Auto, dessen Bedienkonzept ansonsten erfreulich unkompliziert ist, muss man sich hier anders behelfen. Schade – denn ein Drehregler wäre die perfekte Ergänzung zum robusten Gesamteindruck.

Fazit: Ein Werkzeug mit Charakter
Der Toyota Hilux 2.8 Diesel Mildhybrid ist kein Auto für jeden. Dafür ist er zu groß, im unbeladenen Zustand zu straff und im Stadtverkehr schlicht zu unhandlich. Wer hauptsächlich zum Supermarkt und ins Büro fährt, braucht seine Talente kaum. Wer hingegen schwere Anhänger zieht, viel transportiert, regelmäßig im Gelände unterwegs ist oder ein reichweitenstarkes Arbeitsfahrzeug sucht, findet im Hilux einen überzeugenden Partner. Der kräftige Diesel, die hohe Nutzlast, die solide Verarbeitung und die hervorragenden Offroad-Eigenschaften sprechen für sich.
Der Hilux muss nicht jedem gefallen. Er muss funktionieren. Und genau das tut er – mit 204 PS, 500 Newtonmetern und einer gehörigen Portion japanischer Bodenständigkeit.
Der getestete Toyota Hilux 2.8 Diesel Mildhybrid Invincible mit 204 PS kostet in Österreich ab 85.990 Euro.


