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Hyundai IONIQ 6 N Line im Test: Flach wie eine Flunder, sparsam wie ein Oberösterreicher

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Es gibt Autos, bei denen man nach fünf Minuten weiß, was Sache ist.
Und dann gibt es den neuen Hyundai IONIQ 6.

Da gehst du einmal rundherum, schaust vorne, schaust hinten, gehst sicherheitshalber noch einmal rundherum – und denkst dir: Fesch? Eigenartig? Sportlich? Oder einfach komplett anders?

Wahrscheinlich von allem ein bisserl.

Unser Testwagen in Ultimate Red Metallic und N Line macht jedenfalls eines garantiert nicht: sich verstecken. Und das gefällt uns. Denn während gefühlt halb Österreich inzwischen mit einem elektrischen SUV vor dem Hofer steht, kommt Hyundai mit einer flachen, langgezogenen Elektro-Limousine daher.

Oder, oberösterreichisch formuliert:

Des is amoi wos ondas.

Flach wie eine Flunder – und das aus gutem Grund

Der IONIQ 6 sieht nicht deshalb so aus, weil sich ein Designer beim Zeichnen ausgetobt hat. Hinter dieser eigenwilligen Form steckt ziemlich viel Physik. Mit einem cW-Wert von 0,21 schneidet der Hyundai ausgesprochen sauber durch die Luft. Beim Facelift wurde die Optik noch einmal geglättet: Die Front wirkt mit den schmaleren Leuchten deutlich moderner, am Heck ist der bisherige zweite Spoiler verschwunden und speziell die N Line bekommt sportlichere Details rund um Stoßfänger, Seitenschweller und Räder. In unserem Rot schaut das richtig stark aus. Unauffällig ist allerdings anders. Beim Fotografieren & durch die Landschaft cruisen haben wir jedenfalls festgestellt: Die Leute schauen. Und das ist in Zeiten, in denen sich Autos teilweise unterscheiden wie zwei Semmeln vom selben Bäcker, durchaus ein Kompliment.

Und jetzt kommt seine eigentliche Paradedisziplin

Wir können lange über Displays, N-Line-Optik und Beschleunigungswerte reden. Das wirklich Beeindruckende am IONIQ 6 ist aber etwas viel Unspektakuläreres:

Der braucht verdammt wenig Strom.

Und genau da beginnt der Hyundai, uns Oberösterreicher abzuholen. Denn 84 kWh Akku spazieren zu fahren ist die eine Sache. Möglichst wenig davon zu brauchen, die andere. Andere bauen immer größere Akkus ein, damit am Display eine größere Reichweitenzahl steht. Hyundai macht beim IONIQ 6 zusätzlich etwas, das eigentlich viel logischer ist: Das Auto wird aerodynamisch und effizient gebaut. Der 84-kWh-Akku des Facelifts trägt deshalb gemeinsam mit der guten Aerodynamik zu den hohen Reichweiten bei. Hyundai nennt für die effizienteste Variante bis zu 680 Kilometer WLTP.

Und unser Eindruck nach den ersten Kilometern?

Jo. Der kann wirklich sparsam.

Gerade bei gemäßigtem Tempo macht es beinahe schon Spaß, dem Verbrauch zuzuschauen. Werte, bei denen manche Elektro-SUVs nur müde lachen würden, weil sie die höchstens bergab mit Rückenwind sehen, sind im IONIQ 6 tatsächlich erreichbar. Ein anderer österreichischer Praxistest kam im Stadt-/Landstraßenmix sogar unter 13 kWh/100 km und auf der Autobahn bei 130 km/h auf rund 18 bis 19 kWh/100 km.

Das sind Ansagen. Und viel wichtiger: Effizienz merkt man jeden einzelnen Kilometer.

325 PS: Braucht ma des?

Natürlich nicht. Also selbstverständlich schon.

Unser N Line mit Allrad bringt 325 PS auf die Straße. Damit wird aus dem sparsamen Kilometerfresser auf Wunsch ziemlich flott ein Gerät, bei dem der Beifahrer plötzlich das Handy weglegt. Der Sprint auf 100 km/h ist in rund 5,1 Sekunden erledigt. Das Schöne daran: Der IONIQ 6 muss nicht ständig beweisen, was er kann. Im Alltag fährt er angenehm ruhig, souverän und komfortabel. Drückt man rechts aber etwas entschlossener drauf, sind Allrad und Elektrodrehmoment sofort da. Und genau das passt für uns besser zur N Line als irgendein künstliches Dauer-Rennstreckengehabe.

N Line heißt hier: schaut sportlich aus, kann sportlich – muss aber nicht dauernd deppert tun.

Das mögen wir.

Kurven kann er auch

Der Akku sitzt tief im Fahrzeugboden, der Schwerpunkt entsprechend niedrig. Dazu kommen der lange Radstand und beim Testwagen der Allradantrieb. Das Ergebnis ist ein Auto, das deutlich handlicher wirkt, als es seine fast fünf Meter Länge vermuten lassen. Auf einer schönen oberösterreichischen Landstraße kannst den IONIQ 6 durchaus einmal ein bisserl fliegen lassen. Natürlich bleibt er eine große elektrische Limousine und kein kleiner Kurvenräuber. Aber das Auto liegt satt, zieht sauber aus der Kurve und vermittelt ziemlich viel Ruhe.

Das passt.

Innen: Endlich wieder Knöpfe!

Danke, Hyundai. Wirklich.


Denn offenbar hat irgendwann jemand in Korea festgestellt, dass ein Touchscreen zwar wunderbar aussieht, man zum Verstellen der Temperatur aber nicht unbedingt drei Untermenüs braucht. Beim Facelift wurde die Mittelkonsole überarbeitet und Hyundai bringt wieder mehr physische Bedienelemente für wichtige Funktionen wie die Klimatisierung ins Auto. Dazu gibt es zwei große 12,3-Zoll-Displays und ein modernes Infotainmentsystem mit Over-the-Air-Updates.

Und wisst ihr was? Knöpfe funktionieren. Seit Jahrzehnten. Man greift hin, drückt drauf, fertig. Revolutionär.

Die Verarbeitung macht ebenfalls einen guten Eindruck. Der Innenraum wirkt modern, ohne komplett ins Raumschiff abzudriften. Die N-Line-Details bringen etwas Sportlichkeit hinein und vorne sitzt man für ein Elektroauto angenehm tief.

Hinten: Platz ohne Ende – zumindest für die Knie

Der Radstand liegt bei knapp drei Metern. Entsprechend großzügig fällt die Beinfreiheit im Fond aus. Da kannst auch als Erwachsener ordentlich sitzen, ohne dem Vordermann die Knie ins Kreuz zu drücken. Aber die Flunderform fordert ihren Tribut. Durch die stark abfallende Dachlinie wird es für größere Menschen hinten beim Kopf enger. Genau diese konstruktive Eigenheit fällt auch in anderen Praxistests auf. Das ist eben der Preis dafür, wenn man nicht den nächsten rollenden Schuhkarton bauen möchte.

Kofferraum: Da gibt’s praktischere

Auch beim Gepäckabteil müssen wir Klartext reden. Eine kleine Öffnung, noch kleinere Durchreiche, puuh. Rund 401 Liter sind grundsätzlich in Ordnung. Das Problem ist weniger das Volumen als die klassische Limousinenöffnung. Wer regelmäßig Waschmaschinen, drei Kinderfahrräder und den halben Obi nach Hause führt, kauft wahrscheinlich ohnehin keinen IONIQ 6. Für Koffer, Einkauf und normales Reisegepäck passt es.

Ein Lademeister ist er nicht. Aber mei – irgendwo muss die schöne Linie halt bezahlt werden.

Laden: Kaffee bestellen – und besser nicht zu lange tratschen

Eine der großen Stärken des IONIQ 6 bleibt seine 800-Volt-Architektur. Unter optimalen Bedingungen verspricht Hyundai 10 auf 80 Prozent in rund 18 Minuten; beim Facelift sind Ladeleistungen bis etwa 260 kW möglich.

Und das verändert Langstreckenfahrten tatsächlich. Anstecken. Kaffee holen. Kurz aufs WC. Zurückkommen.

Und schön langsam solltest wieder ans Weiterfahren denken.

Genau so gehört Elektromobilität für uns gedacht. Nicht zwanghaft 1.000 Kilometer Akku mitschleppen, sondern effizient fahren und bei Bedarf schnell nachladen. Da wäre noch die Sache mit den Zapfsäulen, wir haben oft gezapft, auch bei 400 kw/H Anlagen. Über 220 sind wir nie gekommen, aber ist schon schnell beim Laden.

Die Sache mit den digitalen Außenspiegeln

Jetzt müssen wir noch über etwas reden. Digitale Außenspiegel. Technisch interessant? Sicher.

Aerodynamisch sinnvoll? Ebenfalls. Muss man sie haben? Na.

Zumindest wir würden beim Konfigurieren ziemlich ernsthaft über klassische Spiegel nachdenken. Die Kamerabilder funktionieren grundsätzlich, aber unser Gehirn ist seit Jahrzehnten darauf trainiert, in einen Spiegel zu schauen. Das ständige Flimmern auf beiden Seiten wo die Landschaft vorbeizieht…muss man mögen..

Vielleicht gewöhnt man sich daran. Wir sind aber auch nach einigen Kilometern noch bei:

Ein Spiegel darf ruhig ein Spiegel bleiben.

Des is…

Der neue Hyundai IONIQ 6 N Line versucht nicht, everybody’s Darling zu sein. Und genau das macht ihn interessant. Die Form polarisiert. Der Kofferraum könnte praktischer sein. Hinten wird es für große Menschen beim Kopf enger und bei den digitalen Außenspiegeln sind wir noch nicht davon überzeugt, dass jede technische Möglichkeit automatisch eine Verbesserung sein muss. Dafür bekommst du eine außergewöhnlich effiziente elektrische Limousine mit 84-kWh-Batterie, 800-Volt-Technik, enorm kurzen Ladepausen, richtig viel Platz, 325 PS und einem Fahrverhalten, das zwischen gemütlichem Pendler und ziemlich flottem Landstraßen-Gerät erstaunlich locker wechseln kann.

Vor allem zeigt der IONIQ 6 etwas, das wir bei Elektroautos gerne öfter sehen würden: Reichweite entsteht nicht nur durch einen möglichst großen Akku. Sondern auch dadurch, dass man mit der vorhandenen Energie g’scheit umgeht.

Oder wie wir in Oberösterreich sagen würden:

Wennst mit weniger Strom weiter kommst, brauchst ned dauernd an größeren Kübel..

Technische Daten unseres IONIQ 6 N Line

Antrieb: vollelektrisch, Allrad
Leistung: 239 kW / 325 PS
Batterie: 84 kWh
Architektur: 800 Volt
0–100 km/h: ca. 5,1 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Laden 10–80 %: ca. 18 Minuten unter optimalen Bedingungen
Max. DC-Ladeleistung: rund 260 kW
cW-Wert: 0,21
Kofferraum: ca. 401 Liter
Radstand: knapp 3 Meter

Unser Satz nach dem Test?

Der IONIQ 6 N Line ist vielleicht nicht das Elektroauto für jeden. Aber er ist eines dieser Autos, bei denen man nach einer Woche ziemlich genau versteht, warum er so aussieht, wie er aussieht.

Und wenn dann am Ende auch noch wenig kWh auf der Uhr stehen, freut sich nicht nur der Autotester – sondern auch der Oberösterreicher in uns.

Preis: Beim großen Markplatz in Österreich mit W haben wir ihn ab 51.000 gesehen.

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