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Toyota bZ4X Touring: Großes Auto, große Ruhe – und manchmal macht die Software einfach ihr eigenes Ding

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Auf den ersten Blick wirkt der Toyota bZ4X Touring gar nicht so riesig. Zumindest nicht so riesig, wie er tatsächlich ist. Denn mit 4,83 Metern Länge gehört er definitiv nicht mehr in die Kategorie „handlicher Stadtflitzer“. Toyota schafft es aber erstaunlich gut, diese Größe optisch zu verstecken. Erst wenn man einsteigt und sich im Innenraum umsieht, merkt man, wie viel Platz hier tatsächlich vorhanden ist.

Und genau das gehört für mich zu den größten Stärken des bZ4X Touring. Vorn sitzt man angenehm luftig, auch im Fond gibt es reichlich Platz und spätestens beim Öffnen der Heckklappe wird klar, warum Toyota das Wort Touring an den Namen gehängt hat. 669 Liter Kofferraumvolumen stehen bei aufgestellter Rückbank zur Verfügung. Im Alltag bedeutet das vor allem: Man muss beim Einladen nicht lange überlegen. Große Einkäufe, mehrere Taschen oder sperrigere Dinge verschwinden ziemlich problemlos im Heck. Das übliche Kofferraum-Tetris kann man sich in vielen Fällen sparen.

Groß, aber zum Glück nicht ständig so fühlbar

Natürlich kann der Toyota seine Abmessungen nicht komplett verstecken. In einer engen Tiefgarage merkt man schon, dass man hier kein kleines Auto bewegt. Im normalen Straßenverkehr fühlt sich der bZ4X Touring aber erstaunlich unkompliziert an.

Die Sitzposition ist angenehm hoch, ohne dass man sich gleich wie im Kleinbus fühlt. Dazu kommt eine hervorragende Übersicht. Man kann die Fahrzeugbreite gut einschätzen und hat auch nach vorn ein gutes Gefühl dafür, wo das Auto endet. Gerade bei einem Fahrzeug dieser Größe ist das viel wert.

Beim Rangieren hilft zusätzlich das 360-Grad-Kamerasystem. Das klingt zunächst nach einem netten Extra, wird bei fast fünf Metern Fahrzeuglänge aber schnell zum ziemlich guten Freund. Im Grunde ist es die moderne Version von „Schau bitte kurz, ob hinten noch Platz ist“ – nur dass man dafür niemanden mehr aussteigen lassen muss.

Sitze, auf denen man gerne länger sitzen bleibt

Sehr positiv sind mir auch die Sitze aufgefallen. Sie sind bequem, angenehm gepolstert und passen damit exzellent zum insgesamt entspannten Charakter des Autos. Unser Testwagen war die Lounge-Version und bringt entsprechend einiges an Komfort mit.

Vorne lassen sich die Sitze elektrisch einstellen, eine Memory-Funktion gibt es ebenfalls. Dazu kommen Sitzheizung und Sitzbelüftung, während auch die hinteren Passagiere beheizte Sitze bekommen. Gerade die Belüftung vorne ist so ein Feature, über das man sich vorher vielleicht nicht besonders viele Gedanken macht. Nach ein paar heißen Tagen möchte man sie allerdings nur ungern wieder hergeben.

Das gilt überhaupt für viele Dinge im bZ4X Touring. Er versucht nicht mit spektakulären Spielereien zu beeindrucken. Vieles ist einfach angenehm. Und genau das merkt man vor allem auf längeren Strecken.

Ein Toyota zum entspannten Reisen

Das Fahrgefühl hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Der bZ4X Touring fährt sich ruhig, sicher und souverän. Er wirkt nicht nervös und versucht auch nicht permanent, einem seine Leistung unter die Nase zu reiben.

Dabei hätte er dafür durchaus genügend Argumente. Unser Testwagen leistet 280 kW beziehungsweise 380 PS und fährt mit Allradantrieb. Laut Toyota geht es damit in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Für einen großen Elektro-SUV ist das durchaus ordentlich.

Braucht man in so einem Auto wirklich 380 PS? Vermutlich nicht. Angenehm ist die Leistung trotzdem. Beim Auffahren auf die Autobahn, beim Überholen oder beim Beschleunigen aus einer Ortschaft muss man sich nie Gedanken darüber machen, ob noch genügend Reserven vorhanden sind. Ein Druck aufs Strompedal reicht und der Toyota zieht kräftig los.

Das Schöne daran: Er macht daraus kein Drama. Die Leistung ist einfach vorhanden, wenn man sie braucht. Im normalen Alltag fährt sich der bZ4X Touring dagegen angenehm gelassen.

Die Lenkung passt überraschend gut

Besonders positiv ist mir die Lenkung aufgefallen. Sie reagiert schnell, arbeitet präzise und trägt viel dazu bei, dass sich der Toyota kleiner anfühlt, als er tatsächlich ist.

Gerade auf der Landstraße macht sich das bemerkbar. Man lenkt ein und das Auto folgt sauber der gewählten Linie, ohne dass ständig nachkorrigiert werden muss. Natürlich wird aus einem 4,83 Meter langen SUV dadurch kein kleiner Kurvenräuber. Das muss er aber auch gar nicht sein.

Viel wichtiger ist, dass man schnell Vertrauen zum Auto bekommt. Der bZ4X Touring fühlt sich sicher und berechenbar an. Nach kurzer Eingewöhnung denkt man während der Fahrt erstaunlich wenig über seine Größe nach. Und das ist bei einem Fahrzeug dieser Klasse schon ein ziemlich großes Kompliment.

Auch auf längeren Strecken fühlt er sich zu Hause

Überhaupt ist der bZ4X Touring für mich ein Auto, das sehr gut zum Reisen passt. Die Sitze sind bequem, die Geräuschkulisse bleibt angenehm und auch das Fahrwerk vermittelt viel Ruhe.

Dazu kommt die gute Übersicht, die gerade auf längeren Fahrten entspannt. Man fühlt sich nicht permanent damit beschäftigt, die Dimensionen des Autos einzuschätzen. Natürlich merkt man auf schmalen Straßen irgendwann, dass der Toyota 1,86 Meter breit ist. Aber im normalen Alltag tritt seine Größe überraschend schnell in den Hintergrund.

Und genau das macht ihn angenehm. Er ist groß, erinnert einen aber nicht bei jeder Gelegenheit daran.

Auch beim Verbrauch macht der Toyota eine gute Figur

Positiv überrascht hat mich auch der Verbrauch. Für ein Auto dieser Größe, mit Allrad und 380 PS, finde ich ihn wirklich gut.

Toyota gibt für die Lounge-Version mit Allradantrieb 16,6 kWh pro 100 Kilometer nach WLTP an. Die offizielle WLTP-Reichweite liegt bei bis zu 479 Kilometern. Der Akku bietet 74,7 kWh brutto beziehungsweise 71 kWh nutzbare Kapazität.

Natürlich sieht die tatsächliche Reichweite im Alltag je nach Temperatur, Geschwindigkeit und Fahrstil unterschiedlich aus. Trotzdem zeigt schon der offizielle Wert, dass der große Toyota beim Thema Effizienz durchaus vernünftig unterwegs ist.

Und genau dieser Eindruck hat sich auch während meines Tests bestätigt. Für die Größe des Autos hatte ich beim Verbrauch jedenfalls wenig Grund zu meckern.

Laden funktioniert schnell – meistens zumindest

An der Schnellladesäule sind laut Toyota bis zu 150 kW möglich. Von zehn auf 80 Prozent soll der Akku unter passenden Bedingungen rund 28 Minuten benötigen. Die Lounge-Version bringt außerdem einen 22-kW-Onboard-Charger mit, womit der Akku an einer entsprechend leistungsfähigen AC-Ladestation laut Toyota in rund 3,5 Stunden von zehn auf 100 Prozent geladen werden kann.

Soweit die Theorie.

In meinem Test gab es beim Laden allerdings ein Problem, das mehrmals aufgetreten ist: Der Ladevorgang wurde einfach abgebrochen. Alles war gestartet, das Auto lud und irgendwann eben nicht mehr.

Warum das passiert ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Ursache kann beim Fahrzeug gelegen haben, genauso gut aber auch an der jeweiligen Ladesäule oder an der Kommunikation zwischen beiden. Trotzdem ist es etwas, das im Alltag nervt. Gerade bei einem Elektroauto möchte man schließlich nicht nach einer halben Stunde zum Wagen zurückkommen und feststellen, dass er offenbar beschlossen hat, heute genug Strom aufgenommen zu haben.

Bei der Software ist noch Luft nach oben

Und damit kommen wir zum Punkt, der mich beim bZ4X Touring am wenigsten überzeugt hat: die Software.

Grundsätzlich ist alles vorhanden, was man heute erwartet. Das zentrale 14-Zoll-Display ist groß, Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos, Navigation und Sprachsteuerung sind ebenfalls an Bord.

Ganz reibungslos lief das während meines Tests allerdings nicht. Besonders häufig meldete das Auto, dass der Reifendruck nicht passen würde. Also steigt man aus, kontrolliert die Reifen und stellt fest: Alles passt. Der Toyota sieht das offenbar manchmal etwas strenger. Vielleicht möchte er auch einfach nur, dass man sich regelmäßig mit seinen Reifen beschäftigt.

Auch die Verbindung zum Smartphone ging hin und wieder verloren. Nicht ständig, aber eben oft genug, dass es auffällt.

Noch etwas kurioser wurde es bei Google Maps. Wenn ich über die Spracheingabe ein neues Reiseziel eingegeben habe, wechselte das Radio gelegentlich plötzlich die Frequenz. Danach war entweder Ruhe oder es spielte irgendein anderer Sender. Man sagt also sinngemäß „Bring mich nach Linz“ und der Toyota antwortet mit einem Radioprogramm, nach dem eigentlich niemand gefragt hat.

Unterhaltsam ist das beim ersten Mal durchaus. Beim dritten Mal eher weniger.

Kleine Macken treffen auf ein ansonsten sehr solides Auto

Das Interessante daran ist, dass keine dieser Software-Macken für sich genommen besonders dramatisch ist. Wegen einer falschen Reifendruckmeldung bleibt man nicht stehen und auch ein kurz verlorenes Smartphone ist kein Weltuntergang.

Sie fallen aber gerade deshalb auf, weil der Rest des Autos so solide wirkt. Das Fahrgefühl passt, die Lenkung passt, die Sitze sind gut, der Innenraum bietet reichlich Platz und auch beim Verbrauch gibt es wenig zu kritisieren. Umso mehr wundert man sich, wenn die digitale Seite des Autos zwischendurch beschließt, ihr eigenes Programm abzuspielen.

Hier würde dem bZ4X Touring etwas Feinschliff wirklich guttun.

Bei der Ausstattung bleibt wenig offen

Abgesehen davon ist gerade die Lounge-Version sehr umfangreich ausgestattet. Unser Testwagen bringt unter anderem 20-Zoll-Leichtmetallräder, ein Panoramadach, elektrisch verstellbare Sitze, Sitzheizung vorne und hinten, Sitzbelüftung vorne, einen digitalen Innenspiegel, Remote Parking und den bereits erwähnten 22-kW-Onboard-Charger mit.

Auch bei den Assistenzsystemen ist viel dabei. Adaptiver Tempomat, Spurhalte- und Spurführungsassistent, Toter-Winkel-Warner, Matrix-LED-Scheinwerfer und das 360-Grad-Kamerasystem sorgen dafür, dass einem gerade auf längeren Strecken einiges an Arbeit abgenommen wird.

Das passt gut zum Charakter des Autos. Der Toyota möchte kein Fahrzeug sein, das den Fahrer ständig beschäftigt. Wenn alles funktioniert, steigt man ein und fährt einfach los. Und das macht er ziemlich angenehm.

Der Kofferraum bleibt eine seiner größten Stärken

Noch einmal zurück zum Platz, denn gerade hier kann der Touring wirklich punkten.

Die 669 Liter Kofferraumvolumen lesen sich nicht nur gut im Datenblatt, sondern lassen sich auch vernünftig nutzen. Genau das ist nicht bei jedem Auto selbstverständlich. Ein großer Literwert hilft schließlich wenig, wenn Radkästen, schräge Seitenwände oder irgendwelche Stufen dafür sorgen, dass man beim Beladen trotzdem ständig improvisieren muss.

Beim Toyota ist der Gepäckraum angenehm praktisch gestaltet. Wer regelmäßig viel transportiert, mit der Familie unterwegs ist oder einfach gerne etwas Reserve im Kofferraum hat, wird das schnell zu schätzen wissen.

Für mich ist das tatsächlich eines der stärksten Argumente für den bZ4X Touring.

Was kostet der Toyota bZ4X Touring?

Der bZ4X Touring Lounge mit Allradantrieb startet in Österreich laut Preisliste bei 58.190 Euro. Unser Testwagen hatte zusätzlich die Lackierung Brilliant Bronze und kam damit auf insgesamt 58.970 Euro.

Fast 59.000 Euro sind natürlich eine Ansage. Dafür bekommt man allerdings auch ein sehr komplett ausgestattetes Auto mit 380 PS, Allradantrieb, viel Platz und zahlreichen Komfortextras. Günstig elektrisch fahren ist also nicht unbedingt die Kernkompetenz dieses Toyotas.

Wer allerdings ein großes Elektroauto sucht, mit dem sich Familie, Gepäck und längere Strecken komfortabel unter einen Hut bringen lassen, bekommt hier einiges geboten.

Fazit

Der Toyota bZ4X Touring ist für mich vor allem ein sehr solides und angenehm unkompliziertes Auto.

Besonders gefallen haben mir der enorme Platz im Innenraum, der wirklich brauchbare Kofferraum, die bequemen Sitze und die präzise Lenkung. Auch die Übersicht ist für ein Fahrzeug dieser Größe hervorragend. Dazu kommt ein Verbrauch, den ich angesichts von 380 PS, Allradantrieb und fast fünf Metern Fahrzeuglänge wirklich gut finde.

Seine größten Schwächen liegen weniger beim eigentlichen Auto als bei der Software. Die gelegentlichen Ladeabbrüche, falschen Reifendruckmeldungen, verlorenen Smartphone-Verbindungen und das manchmal etwas kreative Radio passen nicht so ganz zum ansonsten sehr souveränen Eindruck.

Gerade deshalb ist es ein wenig schade. Denn beim Fahren selbst wirkt der bZ4X Touring ausgesprochen ausgereift.

Wenn Toyota die digitalen Eigenheiten noch besser in den Griff bekommt, bleibt ein großes, komfortables und sehr praktisches Elektroauto übrig, das seine Größe im Alltag erstaunlich gut verstecken kann.

Und vielleicht ist das am Ende seine größte Stärke: Man hat jede Menge Platz, muss sich aber nicht ständig so fühlen, als würde man damit einen halben Reisebus durch die Gegend bewegen.

Technische Eckdaten Toyota bZ4X Touring 4WD Lounge

Leistung280 kW / 380 PS
AntriebAllradantrieb, zwei Elektromotoren
Akku74,7 kWh brutto / 71 kWh netto
Reichweitebis zu 479 km laut WLTP
Verbrauch16,6 kWh/100 km laut WLTP
DC-Ladeleistungbis zu 150 kW
DC-Ladezeitca. 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent laut Toyota
AC-Ladeleistungbis zu 22 kW
0–100 km/h4,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit180 km/h
Kofferraum669 Liter
Länge4.830 mm
Breite1.860 mm
Höhe1.675 mm
Anhängelast gebremst1.500 kg
Basispreis Österreich58.190 Euro
Preis Testfahrzeug58.970 Euro

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