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Mercedes G580 EQ – Strom mit Kanten – von Oberösterreich ins weiße Epizentrum

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Von ELDA-Motorredakteur Jürgen Höglinger
Testzeitraum Februar 2026
Manchmal beginnt ein Test nicht am Presseparkplatz, sondern in einem kleinen Dorf am Land um 6:00 Uhr früh. Drei Männer, drei Paar Ski, Taschen, Helme, a bisserl zu viel Optimismus und mittendrin: ein Mercedes G580E. Elektrisch. G-Klasse. Also quasi der Stromkasten unter den Alphatieren.

Ziel: Saalbach-Hinterglemm.
Route: Oberösterreich – kleines deutsches Eck – Salzburg – rauf ins Glemmtal.
Mission: Männerskiwochenende mit Stil und Strom.

Der erste Eindruck: Respekt auf Rädern

Der elektrische G bleibt optisch genau das, was er seit Jahrzehnten ist: ein fahrender Würfel mit Autoritätsproblem, allerdings im positiven Sinn. Wer im Rückspiegel den G sieht, macht Platz. Auch wenn er diesmal lautlos daherkommt.

Unter dem Blech arbeiten vier Elektromotoren, je einer pro Rad. Ergebnis: 587 PS und 1.164 Nm. Das sind keine Zahlen, das ist eine Ansage. 0 auf 100 in unter fünf Sekunden in einem Auto, das aussieht, als würde es normalerweise Förster und Bundesheer durchs Gelände tragen.

Und ja, er kann noch immer klettern, waten, drehen. Der berühmte „G-Turn“ lässt ihn auf der Stelle pirouettieren wie ein 3-Tonnen-Eiskunstläufer. Braucht man das? Vielleicht nicht. Will man’s probieren? Aber sicher.

Unterwegs Richtung Berge – leise Dominanz

Wer glaubt, eine elektrische G-Klasse wäre ein Widerspruch, der sollte einmal auf der A8 Richtung Salzburg beschleunigen. Dieser Druck ist anders. Kein Turboloch, kein Getöse – nur unmittelbare Gewalt.

Trotz drei Tonnen Leergewicht fährt sich der G erstaunlich souverän. Der Schwerpunkt liegt dank Akku tief im Leiterrahmen, das merkt man. Er liegt satt auf der Straße, schaukelt weniger als frühere Generationen, bleibt aber klar ein G: kantig, präsent, kein SUV-Weichzeichner.

Reichweite? Offiziell über 450 Kilometer nach WLTP. In der Praxis – mit Winterreifen, Autobahntempo und drei ausgewachsenen Herren – eher realistische 300 bis 350 Kilometer. Und das ist absolut okay für ein Fahrzeug dieser Kategorie.

Pflichttermin: Laden in Salzburg

Ganz ohne Planung geht’s nicht. Und genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen Elektro-G und Diesel-G. Start in Oberösterreich mit 99 Prozent. Bis Salzburg nähern wir uns bereits der 50%-Marke. Reindrücken auf der Autobahn und Kälte sind keine Freunde der Reichweite, daher Stop nähe Flughafen beim Schachtelwirt. Dieser wird zur strategischen Zwischenstation. DC-Schnellladen mit bis zu 200 kW – theoretisch. In der Praxis pendelten wir uns bei guten 35kW ein. Was ist los mit den Ladenetzen in Österreich? Immer öfter komme ich an Ladesäulen, die vieles versprechen, aber dann nichts davon halten. Von knapp über 50 auf rund 80 Prozent in etwas mehr als einer Stunde, geschuldet des vollen Ladeparks, daher Zeit genug für Kaffee & CO und die Diskussion, ob man heuer sportlich fährt oder nur einkehrt.

Ohne diesen Stopp? Es wäre eng geworden. Und ELDA sagt:

“Wer elektrisch in die Berge fährt, sollte nicht auf „wird scho passen“ setzen,
sondern auf Planung.”

Platzangebot: Der G bleibt ein Gentleman – aber kein Möbelwagen.

Jetzt zum ehrlichen Teil.

Drei Personen, drei Skiausrüstungen, Wochenendgepäck. Der Kofferraum fasst rund 555 Liter – auf dem Papier ausreichend. In der Realität merkt man: Der G ist eher Luxus-Offroader als Familienlaster. Mit umgelegtem Sitz funktioniert’s, aber man muss stapeln wie beim Tetris-Finale. Helme in die Zwischenräume, Taschen hochkant, Skischuhe möglichst platzsparend. Und dann ist da noch die Zuladung: rund 415 Kilogramm. Drei erwachsene Männer plus Gepäck bringen den G schneller an seine Grenzen, als man glaubt. Hier merkt man das Batteriegewicht. Es geht, aber locker-flockig ist anders.

Für zwei Personen? Perfekt.
Für drei mit Wintersportambitionen? Sportlich – im logistischen Sinn.

Technik-Teil – ELDA zerlegt’s sachlich

Antrieb: Vier permanent erregte Synchronmotoren
Leistung: 432 kW / 587 PS
Drehmoment: 1.164 Nm
Akku: 116 kWh (nutzbar knapp darunter)
0–100 km/h: ca. 4,7 Sekunden
Vmax: 180 km/h
Ladeleistung: 11 kW AC / bis zu 200 kW DC
Verbrauch realistisch: 28–45 kWh/100 km im Winterbetrieb, oha – ja das ist die Realität
Zuladung: rund 415 kg
Abmessungen: zu groß für deine Garage

Technisch ist der G580E ein Statement. Vier Motoren ermöglichen echtes Torque Vectoring, jedes Rad wird individuell angesteuert. Offroad ist das ein Traum, auf Schnee ebenso. Kurz haben wir überlegt den blauen Panzer anstelle der Lifte zu benutzen! Traktion? Mehr als genug. Selbst auf winterlicher Fahrbahn wirkt er stoisch. Der Leiterrahmen blieb, wurde aber für die Integration des Akkus adaptiert. Unterfahrschutz inklusive. Das ist kein weichgespülter Lifestyle-Stromer – das ist ein elektrifizierter Charakterkopf.

In Saalbach angekommen: Der stille Star

Vor dem Hotel sorgt er für Gesprächsstoff. Nicht wegen des Sounds – sondern wegen seiner Ruhe. Eine G-Klasse, die nicht bollert, sondern summt. Fast schon surreal. Dieser Elektrische Sound gleicht einem Raumschiff Sound im Standmodus.

Und trotzdem: Er wirkt authentisch. Nicht wie ein Kompromiss, sondern wie die logische Weiterentwicklung. Wer G fährt, fährt Haltung. Und die bleibt auch elektrisch erhalten.

Und überlegen wir, ihn vielleicht als Zweitwagen in unseren Fuhrpark aufzunehmen?

Der Mercedes G580E ist kein Effizienzmeister und kein Raumwunder. Aber das wollte er nie sein. Er ist ein technisches Kraftpaket mit ikonischer Optik, gewaltigem Drehmoment und echter Geländekompetenz – jetzt eben emissionsfrei unterwegs. Für die Strecke von Oberösterreich nach Saalbach reicht eine saubere Ladeplanung, Salzburg wird zum Fixpunkt. Für ein Männerskiwochenende funktioniert er, mit etwas Disziplin beim Packen. Für alle, die Charakter über Kofferraumvolumen stellen, ist er eine elektrische Ansage.

Als Zweitwagen und auch als Erstwagen? Wohl kaum! 185.000 Euro in der AMG Ausstattung haben wir grad nicht parat.

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