Ikone reloaded – Expedition statt Exhibition
Früher hieß das Ganze „Camel Trophy“. Staub, Schlamm, Abenteuer – und eine Zigarettenmarke als Namensgeber. Heute verzichtet Land Rover auf den Tschick-Beigeschmack, behält aber die Idee: Der Defender Trophy ist eine Hommage an die legendären Offroad-Expeditionen – nur moderner, luxuriöser und, ja, auch deutlich teurer.

Design: Abenteuer zum Herzeigen
Der Trophy 110 ist ein Statement auf Rädern. Der zweifärbige Look in Safari-Beige und Schwarz schreit förmlich nach Wüste, Steppe und Fernweh. Die Anbauteile machen sofort klar: Hier geht es nicht um den Parkplatz vor dem Bioladen.


- massiver, begehbarer Dachträger
- funktionaler Schnorchel für tiefe Wasserdurchfahrten
- seitliche Expeditionsbox für Gummistiefel & sonstiges dreckiges Equipment
- klappbare Leiter für den Aufstieg aufs Dach
- 20-Zoll-Räder im robusten Stahlrad-Look
Das sieht nicht nur spektakulär aus, es ist es auch. Aufmerksamkeit ist garantiert – im urbanen Alltag fast schon zu viel des Guten.
Allerdings: Die Praxis kennt keine Romantik. Mit Dachträger wird der ohnehin schon sehr hohe Defender auch zu hoch für viele Tiefgaragen. Und auf der Autobahn sorgen die Aufbauten für deutliche Windgeräusche. Expedition hat eben ihren Preis – auch akustisch und platztechnisch.

Innenraum: Luxus trifft Werkzeugcharakter
Innen gelingt Land Rover der Spagat zwischen Premium-SUV und Nutzfahrzeug bemerkenswert gut. Feines Leder, ein kraftvolles Soundsystem und moderne Infotainment-Technik treffen auf sichtbare Schrauben, robuste Oberflächen und bewusst „offroadige“ Designelemente. Das wirkt durchaus authentisch und gar nicht geschniegelt.



Dazu kommt: sehr viel Platz. Vorne wie hinten reist man auf hohem Komfortniveau, die Sitze sind langstreckentauglich und stützen hervorragend. Kofferraum gibt´s auch genug – natürlich mit robusten Gummimatten ausgelegt, falls mal der Jagdhund mitreist.

Fahreindruck: Souveränität in jeder Lage
Trotz seiner martialischen Erscheinung fährt sich der Defender sehr kultiviert. Bis etwa 100 km/h gleitet er noch fast lautlos dahin, die Windgeräusche gesellen sich dann auf der Autobahn dazu. Das Luftfahrwerk bügelt dabei Unebenheiten mit beeindruckender Gelassenheit weg. Gerade auf langen Etappen zeigt der Trophy seine eigentliche Stärke: er ist ein begnadetes Reiseauto.

Der 3,0-Liter-Sechszylinder-Turbodiesel mit 350 PS liefert dazu mehr als genug Leistung. Auch auf der Landstraße lässt sich das hohe Gewicht souverän kaschieren – Überholmanöver gelingen entspannt, ohne Hektik. Die Lenkung ist erwartungsgemäß nicht sportlich, aber präzise genug für das Format. Ihre indirekte Auslegung ist der ausgeprägten Geländegängigkeit geschuldet.
Offroad: Referenzklasse
Was ihn wirklich auszeichnet, ist seine Geländekompetenz. Der Defender gehört hier nach wie vor zum Besten, was der Markt zu bieten hat:
- ausgeklügeltes Terrain Response System
- enorme Achsverschränkung
- variable Bodenfreiheit dank Luftfahrwerk
- beeindruckende Wattiefe (mit Schnorchel nochmals erweitert) – Land Rover verschiebt diese Disziplin dank „Wade Sensing System“ ins digitale Fach.
Hier fährt der Trophy nicht nur mit – er setzt Maßstäbe.


Technische Daten (Defender 110 Trophy D350)
- Motor: 3,0-Liter Reihensechszylinder Turbodiesel
- Leistung: 350 PS
- Drehmoment: ca. 700 Nm
- Antrieb: Allradantrieb
- Getriebe: 8-Gang Automatik
- 0 – 100 km/h: beachtliche 6,4 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 191 km/h
- Verbrauch: rund 8,5–9,5 l/100 km (realistisch)

Die Preisgestaltung
Hier wird es unerquicklich: Der Defender Trophy ist alles – nur kein Schnäppchen. Aber in diesem Segment ist man das wohl auch schon gewohnt.
- Basis Defender 110 D350: ab ca. € 110.000
- Trophy-Umbau & Ausstattung: deutlich darüber
- Realistischer Endpreis in Österreich: € 140.000 bis über € 160.000
Grund dafür ist nicht zuletzt die österreichische NoVA, die leistungsstarke und schwere Fahrzeuge massiv verteuert.

Fazit
Der Land Rover Defender 110 Trophy ist kein SUV. Er ist ein rollendes Abenteuer-Versprechen.
Er begeistert mit:
- ikonischem Auftritt
- echter Offroad-Kompetenz
- hohem Langstreckenkomfort
- starkem Dieselantrieb
Seine Schattenseiten:
- unpraktische Höhe im Alltag
- hörbare Windgeräusche
- sehr hoher Preis
Unterm Strich ist der Trophy kein rationales Auto. Aber genau das macht ihn so reizvoll. Wer ihn fährt, kauft nicht nur ein Fahrzeug – sondern eine Idee von Freiheit.

