Von ELDA-Motorredakteur Gerhard Brunnbauer
Testzeitraum Jänner 2026
Schon der legendäre DS 19 war ein herausragend extravagantes Fahrzeug. Der Neue – die Nummer Acht – schlägt in die selbe Kerbe.
Wir, die Testredaktion von Es lebe das Auto hatten kürzlich das Vergnügen, den DS N°8 AWD Long Range in der edlen “Jules Verne”-Ausführung zu fahren.

Als Citroen am 6. Oktober 1955 den DS 19 auf dem Pariser Automobilsalon präsentierte, war die Autowelt zuerst einmal ziemlich baff. Das Fahrzeug repräsentierte auf Anhieb Tugenden, die man damals bei anderen Autos in diesem Ausmaß nicht vorfand, nämlich:
- Herausragendes Design,
- innovative Technik und
- feinsten Komfort.
Schnell war der passende Kosename – nämlich die “Göttin” – gefunden und die “la Déesse” avancierte flugs zum Kultobjekt. Bis 1975 durchlief die Göttin alle denkbaren Entwicklungsstufen: stärkere Motoren, eine Kombi-Version, ein viersitziges Cabriolet und sogar eine Rallye-Variante erschienen. Danach war dann Schluss mit DS und Citroen konzentrierte sich vermehrt auf die Produktion von Brot & Butter-Autos. Nur die besser ausgestatteten Varianten durften noch den Namenszusatz DS tragen.

Bis dann ab 2014 die Marke DS Automobiles unter dem Dach des Stellantis-Konzerns eigenständige Automobile zu produzieren begann. Die derzeitige Nomenklatur lautet DS 3, DS 4, DS 7 und DS 9. Seit 2025 hat sich auch die Namenserweiterung N° (also Numero) dazugesellt – dies wurde mit dem DS N°8 eingeläutet und wird über alle Modelle ausgerollt.


Der DS N°8 hat mit der Göttin klarer Weise gar nichts mehr am Hut.
DS hat es vermieden, in die Retro-Kiste zu greifen – die Nummer Acht zeigt eine höchst eigenständige, unverwechselbare und auch moderne und zeitgemäße Optik. Die kantige Karosserie ist eine gekonnte Mischung aus Limousine, Coupé und SUV – ihre Prägnanz ist so außergewöhnlich, dass einem sogar wildfremde Menschen spontan darauf ansprechen. Vor allem die bullige Front, mit ihren schmalen Leuchtschlitzen und den markentypischen heruntergezogenen Tagfahrlichtern, sowie dem verglasten Kühlergrill fallen auf – dieser ist noch dazu dezent beleuchtet, was hier wirklich toll aussieht.

Ebenso kantig zeigt sich die Seitenlinie und das Heck, welches die Leuchtengrafik der Front übernimmt. Wie bei DS üblich, sind die Türschnallen versenkt bzw. in der C-Säule versteckt, dies sorgt für optische Aufgeräumtheit. Unser Top-Modell glänzte zudem mit einer Zweifarbenlackierung: der Body in Silber, die Dachpartie und Fronthaube schwarz. Das verleiht dem Ganzen nochmals einen Hauch mehr Luxusanmutung.




Wie steht´s um Design, Innenraum & Ausstattung?
Auch der Innenraum versprüht Premiumflair. Die Platzverhältnisse sind fürstlich und das Interieurdesign hebt sich deutlich vom Mitbewerb ab. Mit ein Highlight – die bequemen, beheiz- und belüftbaren Ledersitze – das diese auch eine wirkungsvolle Massagefunktion bieten, überrascht nicht. Originell das Lenkrad mit seinen vier prägnanten Speichen – auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, liegt es hervorragend in der Hand. Was etwas enttäuscht ist die Optik der Rückfahrkamera, die pixelt bei schlechten Lichtverhältnissen schon arg und ist für ein derartiges Fahrzeug definitiv nicht angemessen. Hier sollte DS nachbessern.
Wer bei DS zur Jules Verne-Variante greift, der bekommt betont nobel angehauchte, komfortorientierte Vollausstattung geboten – sportliche Attitüden werden hier nicht geboten.
Die Bedienung und Praktikabilität der Fahrzeugsysteme ist sehr gut. Wie heutzutage üblich, sollte man sich ein wenig Zeit zur Eingewöhnung und Konfiguration nehmen. In der Praxis läuft dann sowieso Apple Carplay oder Android Auto und die Bedienung wird so zum Klacks.


Kommen wir zur Technik
Der DS N°8 verfügt über das Beste, was der Stellantis-Konzern so an Technik bietet. Auf Verbrennertechnik wurde hier gleich verzichtet – ihn gibt es auch nur als EV. Folgende Technik-Eckpunkte seien hier schnell aufgezählt:
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Leistung | 375 PS |
| Drehmoment | 343 Nm |
| Beschleunigung 0-100 km/h | 5,4 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h |
| Batterie-Kapazität | 97,2 kWh |
| WLTP-Reichweite (Herstellerangabe) Test-Reichweite (Winter) | bis zu 645 km ca. 350 km |
| Ladeleistung | Wechselstrom (AC): bis 11 kW (optional) Gleichstrom (DC): 160 kW |
| Durchschnittsverbrauch (WLTP) Testverbrauch (Winter) | ca. 18 kWh/100 km ca. 25 kWh/100 km |
| Basispreis Testwagenpreis | ab € 58.000,- € 81.200,- |
Fahrverhalten & Alltagstauglichkeit
Dynamik
Fahrdynamisch liefert dieses Auto voll ab. Kein Wunder, sorgen doch maximal 375 PS für souveränes Fortkommen. Damit wird das immerhin 2,3 Tonnen schwere Auto zum idealen Langstreckengefährt. Durch die ausgeprägte Komfortauslegung des Fahrwerks werden schlechte Straßen recht ordentlich weggebügelt. Allerdings erreicht die Nummer Acht nicht das sänftenhafte Wesen der Ur-Déesse. Deren Hydropneumatik war und ist – zumindest auf Geraden – die Benchmark an Flauschigkeit. Das schafft der DS N°8 schon wegen der harten Zwanzigzöller nicht. Aber nicht falsch verstehen – auch dieser DS ist sehr, sehr komfortabel. Ebenfalls ein Genuss: die tolle Geräuschdämmung – man bewegt sich wirklich flüsterleise vorwärts. Ein Hinweis auf die gute Windschlüpfrigkeit der Karosserie.

Verbrauch und Reichweite – der DS N°8 liefert auch im Winter brauchbare Fahrwerte.
Natürlich spürt man auch hier die Auswirkungen der kalten Jahreszeit. Während man bei moderaten Temperaturen locker wahrscheinlich über 600 Kilometer damit abspulen kann, schrumpft im Winter die Reichweite auf immer noch recht brauchbare 350 Kilometer. Die Strecke Wien – Linz – Wien geht im Winter trotzdem nicht ohne Nachladen – wer den Akku aber bei Bedarf vorkonditioniert, der wird mit Ladeleistungen von bis zu 160 kW am Schnelllader belohnt. Dann ist der Akku in gut einer halben Stunde wieder auf 80 Prozent geladen.

Stärken & Schwächen im Überblick
✅ Stärken
- Absolut wintertauglich – auch durch Allrad
- Effizienter Antrieb, gute Reichweite und Ladeleistung
- Viel Platz und hervorragende Verarbeitung
❌ Schwächen
- Rückfahrkamera pixelt
- Auch preislich schon im Premiumsegment

Bewertung & Empfehlung / Fazit
Es muss nicht immer deutsches Premium sein. Der DS N°8 hat uns mit viel Luxus und ausgereifter Technik überzeugt. Fahrdynamisch frönt er dem Komfort – dennoch werden hervorragende Fahrleistungen geboten. Antriebstechnisch eignet sich das Auto auch für österreichische Verhältnisse: Allrad und gute Reichweite auch im Winter machen Freude. Und das beste zum Schluss: Dieses Auto ist dank seiner starken Optik unverwechselbar und ausdrucksstark – wir wünschen uns definitiv mehr davon auf Österreichs Straßen.

