Windschlüpfig präsentiert der neueste Volkswagen-Wurf aus Wolfsburg. So eine sanfte Rundlichkeit samt freundlichem Zwei-Augen-Gesicht kennt man schon vom Käfer. Freilich wurde das alles in die Gegenwart transferiert, mit modernen LED-Scheinwerfern und flach stehender Windschutzscheibe. Bis zum steilen Heck gleitet der Blick ebenso widerstandslos wie die Luft. Wobei der VW ID.3 kein weichgespültes gesichtsloses Allerweltsauto ist – er ist vielmehr ein angenehmer Zeitgenosse, der sich mehr über seine meist extra groß gehaltenen Räder definiert, als über seine eher schlicht gehaltene Karosserie zeigt.

Innen fällt auf, dass der VW ID 3 eigentlich ein Van ist.

Vorn nimmt kein Motor oder Getriebe Platz weg, die Motorhaube oder Wartungsklappe wie Sie ein VW Mitarbeiter liebevoll nannte, schwingt sich früh in die flach stehende Windschutzscheibe hoch. Als Fahrer blickt man, wie bei Vans üblich, auf eine weit vorne liegende Windschutzscheibe und durch Dreieckscheiben, die die schlanken A-Säulen teilen.

Innen herrscht aufgeräumte Sparsamkeit. Das Dashboard trägt zwei Displays: Eines freischwebend oberhalb des Lenkrads, ein zweites in der Mitte der Konsole als stehender Bildschirm. Über das Lenkrad hinweg blickt der Fahrer auf ein Headup-Display – nix Neues – aber wenn die Elektronik fertig ist – werden Symbole scheinbar auf die Fahrbahn projiziert (nennt sich auf Neudeutsch “Augumented Reallity”). Die Tasten unter dem Mittelbildschirm kennen wir vom neuen Golf, sie erleichtern das Steuern der vielen Einstellungen für Heizung, Technik, Ambiente und Infotainment. Unterm Strich hat VW die Bedienung des ID.3 gründlich “verappelt” – frei nach dem Motto: “Wisch und weg”. Uns gefällt die LED Unterstützung unterhalb der Frontscheibe im Innenraum, so kommuniziert ID mit uns und teilt Navigationspunkte, Telefonate und allgemeine Informationen via LED Ampelsystem mit, auch Ladezustände, Batteriestatus uvm. werden hier visuell mitgeteilt.

Auffällig ist der riesige Innenraum. Zwischen den Achsen bleibt massig Raum für vier bis fünf Passagiere. Die ID.3-Macher spielen dabei oft den Vergleich mit dem deutlich größeren Passat aus. Auch, wenn das leicht übertrieben ist, bleibt beim Radstand von 2,77 Metern wirklich viel Raum, sogar fürs Gepäck, denn die Batterie liegt in einem crashgeschützten Kasten unter dem Wagenboden – sie bildet die skalierbare Plattform, auf der der ID.3 und seine kommenden Familienmitglieder gebaut werden.

VW ID.3Genug über den VW ID 3 geschwafelt – fahren wir los.

Wir hatten jetzt die Gelegenheit, den neuen VW in Wien ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Freilich handelt es sich dabei nur um einen kurzen Ersteindruck – für ordentliche Tests war einfach die Zeit zu kurz und der Verkehr zu dicht. Zu allererst fällt auf, dass der ID.3 ein absoluter Leisetreter ist. Derzeit gibt es nicht viele Autos, die derartig sparsam mit Geräuschen umgehen. VW ist es gelungen, so gut wie alle Geräusche wegzudämmen. Die Bedienung ist klar geregelt, wenngleich es VW mit der Wischerei ein wenig übertrieben hat – für Ablenkung wird definitiv gesorgt – es ist aber anzunehmen, dass das nach längerer Eingewöhnung besser wird.

Angetrieben wird übrigens – wie beim seligen Käfer – die Hinterachse. Dies entkoppelt die Lenkung von den üblichen Antriebseinflüssen und macht uns gleichzeitig auf den Winter neugierig. Wir nehmen aber an, dass VW die früher üblichen Transaktionsprobleme auf Schnee durch Elektronikeingriffe weitgehend beseitigt hat, ob sich ein Drift ausgeht bezweifeln wir – dafür ist der VW ID 3 einfach zu ernsthaft. Ein weiterer Vorteil des ID.3 ist uns sofort aufgefallen: Der super-kleine Wendekreis.

Ob die von VW kolportierte Reichweite (bis zu 426 Kilometer lt. WLTP) der Realität entspricht, die Ladegeschwindigkeit im wahren Leben passt und wie der Alltag generell mit dem VW ID.3 so abläuft, wird ein intensiverer Test zeigen. Mehr (hoffentlich) in Kürze.

 

Bildkredit: Fotograf: Christian Houdek

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