Mitte Juli wurde der Porsche Taycan vom Center of Automotive Management im Rahmen des “Automotive Innovations Report” zum fortschrittlichsten Fahrzeug der Welt gewählt und wir hatten das Vergnügen, die stärkste Version des Elektro-Renners zu fahren.

13 der 27 Hightech-Entwicklungen im Porsche Taycan sind Weltneuheiten.

761 PS, 1.050 Newtonmeter Drehmoment, 93,4 kWh-Akku, bis zu 270 kW Ladeleistung, 800-Volt-Architektur, 2-Gang-Getriebe an der Hinterachse, bis zur 265 kW Rekuperationsleistung, mit 0,22 bester cW-Wert im Segment, Dreikammerluftfederung, Allradlenkung, elektromechanische Wankstabilisierung, Pulswechselrichter,… Dies alles liest sich höchst eindrucksvoll, spiegelt aber nicht mal annähernd das wieder, was man erlebt, wenn man den Porsche Taycan Turbo S selbst fährt.

Gleich mal vorweg – auch der Porsche Taycan ist ein echter Porsche, egal welcher Motor drinnen steckt.

Du kannst blind einsteigen und weißt, dass du in einem Porsche sitzt. Man riecht es – alle Porsche riechen so. Ist irgendwie eine Mischung aus Ledergeruch und den Ausdünstungen der Technik. Ohne die Augen zu öffnen, legst du deine Hände aufs Lenkrad – dieses ist wie gewohnt weder zu dünn noch zu dick – es ist einfach perfekt dimensioniert. Du öffnest die Augen und blickst auf den leicht gebogenen Bildschirm des Kombiinstruments. Darauf zu sehen: Drei Rundinstrumente, in der Mitte der Tacho, flankiert von zwei individuell bespielbaren Anzeigen. Alles wirkt cool und modern ist aber dennoch irgendwie klassisch Porsche. Statt des Startschlüssels – natürlich links vom Lenkrad – gibt´s einen fetten Startbutton. Rechts vom Lenkrad eine Neuerung: Über eine kleine Wippe wählt man zwischen D und R – daneben die Taste für die Parkstellung.

Auf der Mittelkonsole sitzt ein 8,4 Zoll großer Touchscreen, der die Bedienfunktionen für die Klimaautomatik, das Entertainment oder etwa die Ladeinformationen übernimmt. Eine integrierte Handschrifterkennung ermöglicht außerdem die schnelle Eingabe von Navigationsadressen oder Telefonnummern. Alternativ lassen sich die Kommandos auch ganz bequem per Sprachbefehl aktivieren. Das Infotainment inklusive Navigationskarte ist eine Etage darüber angeordnet.

Zusätzlich gäbe es für den Beifahrer optional einen weiteren Touchscreen. Die wichtigen Haupteinstellungen, wie unter anderem für das Luft-Fahrwerk, bleiben jedoch ausschließlich dem Fahrer überlassen. Dies alles lässt sich relativ easy bedienen, wir geben aber zu, dass wir uns aber auch nicht wirklich intensiv damit befasst haben… Viel wichtiger fanden wir den dicken Knopf am Lenkrad, mit dem man die verschiedenen Eskalationsstufen des Porsche Taycan wählen kann.

Die Eskalationsstufen RANGE, NORMAL, SPORT, SPORT+ und INDIVIDUAL stehen zur Auswahl.

Gestartet wird immer im NORMAL Modus. Da benimmt sich der Taycan – wie ein jeder andere Porsche auch – relativ zahm und handsome. Natürlich spürt man seine E-Muskeln aber stets unterschwellig. Die Lenkung funktioniert leichtgängig und auch der Komfort lässt dank aufwändiger Luftfederung nicht zu wünschen übrig. Beim langsamen Losströmen und Einparken gibt der Porsche einen nach außen gut hörbaren Sound-Mix aus unheilvoll verhaltenem Donnergrummeln und synthetischem Orgeln von sich, was bei den stets interessierten Passanten immer super-cool angekommen ist und für Gänsehaut gesorgt hat.

RANGE ermöglicht gesteigerte Reichweite – bei 120 km/h stößt man mit dem Gaspedal an eine kleine Schwelle, die sich aber mit Nachdruck overrulen lässt. Wenn man jetzt auf den Verbrauch schaut, wird man sich über Werte von beachtlichen 19 kWh wundern. Auch höchste Effizienz wird bei Porsche – wie immer – groß geschrieben.

Ist der Akku voll, wird sich der Kenner klarerweise vor allem den Bereichen SPORT und SPORT+ widmen.

Dann schaltet sich der Porsche Taycan Turbo S auf Vollstreckung, senkt sich ab, verhärtet sich und spitzt auch die Leistungscharakteristik vehement zu. Wer jetzt das Fahrpedal betätigt, erntet pure Gewalt und eine fast nicht in Worte zu fassende Fahrdynamik, die weit über die beliebte Null-auf-Hundert-Disziplin und das schnöde Geradeausfahren der amerikanischen Konkurrenz hinausgeht. Wenn diese dann in den Notlauf schalten und mit rauchenden Bremsen um die Kurven eiern, fängt beim Porsche Taycan Turbo S der Spaß erst so richtig an – der kann sowas nämlich immer und immer wieder und erweist sich im Alltag als absolut vollgasfest.

Der Taycan ist ein waschechter Porsche,
nur einer von der elektrische Sorte.

Es ist vor allem dieses von Porsche gewohnte Kurven-Talent, welches auch der immerhin 2,4 Tonnen schwere Taycan voll umfänglich an der Tag legt. Lenkung, Bremse und Fahrwerk verschmelzen zu einer Einheit – alles funktioniert perfekt. Vor allem die voluminösen Keramikbremsen überzeugen auf voller Linie und lassen sich das Spiel zwischen Rekuperation und echter Bremserei niemals anmerken. Gas – ZACK 100 km/h – Bremse – ZACK 0 km/h. Dazwischen geht´s im Renntempo ohne jegliche Aufbaubewegung durch die Kurven, dass es eine wahre Freude ist.

Unser Fazit

Im alten Spruch: “Ein Mann sollte einen Baum gepflanzt, ein Kind gezeugt haben und einen Zwölfzylinder gefahren sein.” sollte anstatt des Zwölfenders der Porsche Taycan Turbo S stehen. Dieses Ding ist einfach bewusstseinserweiternd. Jeder der die Chance hat, es ausprobieren, sollte es tun. Punkt.

Daten Fakten Porsche Taycan Turbo S

Motor: zwei Synchronelektromotoren
Leistung: 460 kW / 625 PS
Overboost-Leistung: 560 kW / 761 PS
Max. Drehmoment: 1050 Nm
Antrieb: Allradantrieb, Ein-Gang-Getriebe vorn, Zwei-Gang-Getriebe hinten
Batterie: 800-Volt-Lithiumionenbatterie, 93,4 kWh
Maximale Ladeleistung: 270 kW
Ladezeit mit 50 kW für Gleichstrom (DC): 93 Minuten / von 5 auf 80 Prozent
Ladezeit mit 270 kW für Gleichstrom (DC): 22,5 Minuten / von 5 auf 80 Prozent
Ladezeit mit 11 kW für Wechselstrom (AC): 9 Stunden / 100 Prozent
Höchstgeschwindigkeit: 260 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 2,8 Sek.
WLTP-Stromverbrauch: 24,5 kWh
Reichweite: 388–412 km
Basispreis: ab 189.702 Euro

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