Letztes Jahr hat sich Kia entschieden, den coolen Soul nur mehr als Voll-Elektriker auf die (europäische) Menschheit loszulassen. War eine gute Entscheidung, wie wir finden.

Zwei e-Soul Varianten bietet Kia an: Eine mit 276 Kilometern Reichweite und einer Leistung von 100 kW (136 PS) für die kleinere Brieftasche bzw. eher urbanen Ambitionen und die sogenannte “Long Range”-Version mit noch leistungsfähigerem Akku (64 kWh) und immerhin 150 kW (204 PS) Leistung. Diese hatten wir jetzt im Testfuhrpark.

Die witzigen Zeiten der Soul-Anfangsjahre sind eindeutig vorbei. Vor allem die streng blickenden LED-Schlitze lassen den e-Soul ausgesprochen modern und stylisch aussehen. Unser Testwagen war in schlichtes Weiß-Metallic gehüllt – es steht dem e-Soul ausgezeichnet. Auffällig sind die speziell gemusterten Alufelgen, die eigens für den e-Soul designt wurden.

Ein Verdienst der würfeligen Formgebung: Auf allen Plätzen herrscht sehr gutes Raumangebot.
Auch der variable Kofferraum schluckt wenigsten 315 Liter – unter dessen Bodenplatte passt locker das Ladekabel. Umklappen der Rückbanklehnen steigert das Ladevolumen dann noch auf bis zu 1.339 brauchbare Liter. Da geht sich dann auch ein Kühlschranktransport aus.

Hat man die empfehlenswerte Platin-Ausstattung gewählt, erhält man ein fast schon luxuriöses Ambiente – super-wichtig im winterlichen Umgang mit einem Elektroauto sind hier die intensiv beheizbaren Ledersitze und ein ebenso beheizbares Lenkrad erwähnt – außerdem sorgt eine Wärmepumpe für blitzschnelle, sowie batterieschonende Erwärmung der Fahrgastzelle. Sehr gescheit ist die “Driver-only”-Funktion, die den Fahrerbereich wärmetechnisch bevorzugt, schließlich ist man ja eh die meiste Zeit alleine unterwegs.

Zusätzlich gibt´s absolute Vollausstattung. Zwei große Screens – einer hinterm Lenkrad mit den notwendigen Fahrdaten und ein TFT-Touchscreen auf der Mittelkonsole fallen ins Auge. Auf diesem lassen sich Widgets nach Belieben und Bedarf hin und herschieben. Techno-Freaks haben hier die Nase vorn aber auch analoge Typen müssen nicht verzweifeln – alles ist fast selbsterklärend.

Schön fanden wir, dass man im Kia e-Soul auch noch ein paar haptische Tasten drücken darf.


Wie siehts nun mit der Reichweite aus.
Eins vorweg – auch der Kia e-Soul muss sich den Gesetzen der Physik beugen. Während bei optimalen Verhältnissen bis zu 450 Kilometer drinnen sind, schmilzt bei eisigen Temperaturen die Reichweite natürlich deutlich schneller. Wir erfuhren im Testzeitraum aber dennoch rund 300 echte Kilometer, ein bei Temperaturen von unter null Grad einwandfreier Wert, den man auch ohne Verzicht – also im Normal- oder Eco-Modus gut beheizt schafft.

Der Kia e-Soul fährt sich wie ein “normales” Auto. Außer man switcht in den SPORT-Modus.

Dann geht nämlich die Post ab und man sollte auf nasser oder gar verschneiter Fahrbahn höllisch aufpassen. Flotte Ampelstarts versanden dann nämlich im von der Antischlupfregelung kaum mehr verwaltbarem Wheelspin der Vorderräder. Die 204 PS würden theoretisch 7,9 Sekunden auf Hundert ermöglichen, da sollte es allerdings trocken und warm sein. Hervorragend zeigt sich auch der Durchzug aus mittleren Geschwindigkeiten – damit schrumpfen Überholmanöver auf der Bundesstraße zu kurzen Fußnoten.

Besser, man bewegt den e-Soul im Normal- oder ECO-Modus.
Der Kia e-Soul beschleunigt dann geschmeidig hoch – sogar im ECO-Modus muss man nicht verhungern. Der Kia e-Soul entwickelt dabei einen angenehm entschleunigten Charakter – dies schont die Nerven und auch die Batteriekapazität, reduziert er dabei nicht nur die Empfindlichkeit des Fahrpedals sondern auch die Energieaufnahme von Klimaanlage, Sitzheizung und anderen Verbrauchern an Bord. Wir sind dann meistens im “Eco”-Modus hängen geblieben – das reicht bei den meisten Alltagsfahrten völlig aus.

„Eco plus“ ist dann etwas für die letzten Meter zur Steckdose.
Dort lässt sich der 64 kWh fassende Akku an der heimischen Wallbox über Nacht wieder aufladen, während man eine Haushaltssteckdose nur im Notfall aufsuchen sollte – gute 30 Stunden Ladedauer muss man einmal aufbringen. An Schnellladestationen mit bis zu 100 kW verringert sich die Standzeit dafür auf rund 45 Minuten, bis der Akku wieder von ca. 30 auf 80 Prozent gefüllt ist.

Wie alle Elektroautos gewinnt auch der e-Soul beim Bremsen Energie zurück.
Die Intensität lässt sich über Wippen hinterm Lenkrad einstellen. Links erhöht man die Rekuperationsstufen von eins bis drei – damit ist dann “Onepedal-Driving” drin. Mit der rechten Wippe reduziert man die Rekuperation dann bei Bedarf wieder bis zur reinen Segelfunktion – interessant vor allem auf Autobahnetappen.

Unser Fazit
Der Kia e-Soul “Long Range” ist ein echter Held des Alltags. Da sind sogar ohne übermäßige Kasteiung ordentliche Reichweiten machbar. E-Skeptiker würden wir empfehlen, sich den e-Soul einmal für ein paar Tage auszuleihen – das könnte zum großen Umdenken führen.

Daten Fakten Kia e-Soul Platin Long Range
Motor: Elektro-Synchron
Leistung: 204 PS (150 kW)
Drehmoment: 395 Nm
Akkukapazität: 64 kWh
Höchstgeschwindigkeit: 167 km/h
0 auf 100 km/h: 7,9 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,7 kWh
Testverbrauch: 17,2 kWh
Preis: ab 46.890 Euro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code

You May Also Like

König der E-Spaßmacher

Nicht ohne Grund wird der Peugeot 208 in der sportlichen GT-Version nur mit Elektromotor angeboten.

Fürchtet euch nicht! Der will nur sparen!

Wer sich ein Auto dieser Art leisten kann, wird wohl nur schwer am BMW-Händler vorbei kommen.

Charaktertyp

Nicht nur die feine Optik macht den Peugeot 2008 zum coolsten Vertreter seiner Zunft – auch die hochkarätige Technik spielt alle Stückeln.

Mister X

Der Grandland X Hybrid 4 ist der Superheld im Opel-Universum. Wer ihn…