Die Zeiten, in denen sich die US-Marke Tesla als Hecht in einem Premium-Karpfenteich ohne Karpfen tummelte, sind längst vorbei:  Jaguar, Audi, Porsche und natürlich auch der “Erfinder des Automobils” Mercedes-Benz sind nun schon eine Weile mit batterie-elektrischen Premium-Automobilen auf dem Markt und zeigen – zumindest wenn es um die Qualität geht – wo der Bartl den Most holt.

Wir arbeiten uns gerade durch die Angebote der oben angeführten Hersteller durch und durften nach dem Jaguar I-Pace und dem Audi e-Tron den Mercedes unter den E-SUV testen, den EQC 400.

Das elegante auf dem Mercedes-Benz GLC basierende SUV stellte vor einem Jahr den Auftakt für den elektrischen Aufbruch der Schwaben dar und präsentiert sich als die kommende Mitte im EQ Universum. Der auf der A-Klasse basierende EQA, der luxuriöse S-Klassen-Ableger EQS und der riesige EQV folgen noch heuer.

Die dunkle Kühlermaske, ein Kennzeichen der Marke EQ und die durchgehenden LED-Bänder vorn und hinten wirken futuristisch, die Flanken sind extrem glatt, die Dachlinie ist deutlich flacher als beim GLC. Lediglich die aufgesetzten Trittbretter passen irgendwie optisch nicht dazu, sie sorgen für dreckige Hosenbeine, müssen allerdings nicht mitbestellt werden. Im Gegensatz zum Jaguar bleiben die Proportionen des EQC konventionell, dennoch ist sein Auftritt erfrischend schlank und eigenständig. Dies hebt den Mercedes deutlich vom bulligen Audi e-Tron ab.

Das Interieur steht dem geschliffenen Außendesign in nichts nach. Ein toller, extrem geschmackvoller Mix aus modernen Materialien und perfekt funktionierender Elektronik begeistern jeden, der auch nur einen Hauch von Design-Verständnis hat. Vor allem die sich über die gesamte Breite ziehenden Metall-Lamellen findet man in dieser Qualität in keinem zweiten Auto. Der Mercedes Benz EQC 400 kommt mit MBUX-Benutzeroberfläche auf zwei TFT-Bildschirmen; dieses System lässt sich über verschiedene Methoden bedienen, wobei die Spracheingabe (Hey Mercedes!) und der berührungsempfindliche Bildschirm sowie die Lenkradtasten schon nahe an die perfekten Bedienbarkeit herankommen.

Wie seine Premium-Mitstreiter verfügt auch der Mercedes Benz EQC 400 über jede Menge Power. 408 PS  (300 kW) leisten die asynchronen E-Motoren des EQC; das maximal erzielbare Drehmoment liegt bei satten 765 Newtonmetern. Damit könnte das immerhin 2,4 Tonnen schwere SUV in 5,1 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Betonung auf “könnte”. Denn anders als seine Mitbewerber animiert der EQC niemals zu solchen Unsinnigkeiten – es ist Mercedes gelungen, ein überaus souveränes aber niemals forderndes Fahrzeug auf die Räder zu stellen. Dessen Hauptzweck ist die Erfüllung größtmöglicher Komfortansprüche.

Wer glaubt, ein Rolls Royce sei leise, der ist noch nie mit einem Mercedes Benz EQC gefahren. Die Schwaben haben jede Menge Hirnschmalz in die Geräuschdämmung gesteckt – sogar die breiten 20-Zoll-Räder rollen fast lautlos ab und Windgeräusche entstehen wahrscheinlich erst ab 180 – der Höchstgeschwindigkeit. Man steigt ein und wird zu einem anderen, einem besseren weil beruhigteren Autofahrer. Zuerst dreht man die formidable  Burmaster Highend-Anlage ab, dann wählt man den Comfort-Modus oder gar Eco-Modus aus und genießt das stille Dahinschweben, während man fein beduftet und optional auch massiert wird. Kenner öffnen das (gottseitdank kleine und gut beschattbare) Schiebedach und ergötzen sich am Zwitschern der Vögel und Rauschen der Blätter.

Im EQC wird auch die Reichweite zur Nebensache – wir schafften locker entspannte 375 Kilometer, die sich bei kurzen Kaffee-Stopps an diversen Schnellladern rasch wieder hochladen ließen. Unterstützung beim Reichweiten-Räubern erhält man durch die Paddels am Lenkrad, damit lässt sich der Rekuperationsgrad vierstufig einstellen. Man kann das Auto gefühlt endlos dahinrollen lassen – oder auch relativ heftige Verzögerung vorwählen, die reines Ein-Pedal-Fahren ermöglicht. Dazwischen gibt es zwei weitere Stufen.

Unser Fazit

Mit dem EQC 400 landet Mercedes Benz einen Volltreffer. Während die Konkurrenz eher den sportiven Weg einschlägt, bleibt Mercedes strikt auf der Komfort-Linie. Freunde gepflegter Wellness werden dieses Auto lieben und mit jeder Fahrt damit Erholung und inneren Frieden ernten.

Daten Fakten Mercedes Benz EQC 400 4Matic
Leistung: 300 kW / 408 PS
Drehmoment: 765 Nm
Batterie: Hochvolt, Lithiumionen, 80 kWh
Vmax: 180 km/h (abgeregelt)
0 auf 100 km/h: 5,1 Sek.
Reichweite im Test: 375 km
Preis: ab EUR 75.500,-

You May Also Like

König der E-Spaßmacher

Nicht ohne Grund wird der Peugeot 208 in der sportlichen GT-Version nur mit Elektromotor angeboten.

Who the f*** is Zoe…?

Der stärkste der Peugeot 208-Palette ist der elektrisch betriebene e-208 – wenn das keine Ansage ist.

Die französische IDëë

Citroen bepreist den vollelektrischen ë-C4 höchst interessant und legt dem VW ID3 einiges vor.

Peugeot erweitert sein e-Portfolio

Zusätzlich zu den Versionen mit Diesel- und Benzinmotor bringen die Franzosen auch eine rein elektrische Variante auf den Markt: den Peugeot e-2008.