Drei Jahre sind in der Elektromobilität schon eine lange Zeit. Somit gehört der Jaguar I-Pace schon zu den “erfahrenen” Vertretern seiner Zunft. Mehr als 80 automobile Auszeichnungen bekam das bei Magna Steyr in Graz gebaute SUV bislang, darunter auch den begehrten Titel „World Car of the Year“. Jetzt legt Jaguar nach und punktet im neuen Modelljahr mit deutlich schnelleren Ladezeiten und einem aufgewertetem Infotainment.

Wir durften jetzt schnell noch den “alten” Jahrgang verkosten, wobei alt vielleicht ein wenig hochgegriffen ist. Schließlich wirkt der I-Pace optisch noch immer frisch, fast wie am ersten Tag. Das Design ist dabei schlicht außergewöhnlich – man merkt, dass das Auto nicht auf einem Verbrennermodell basiert, sondern von Grund auf ohne Kompromisse als Elektroauto konstruiert wurde.

Beim Design hebt sich der I-Pace deutlich vom Mitbewerb ab.

Jaguar platziert ihn zwar als SUV, doch das übliche Geländewagen-Layout der Konkurrenz ist dem I-Pace fremd. Das Fahrzeug ist eine Mischung aus SUV, Limousine und Coupé – als erstes fällt einem der extrem ausladende Radstand und die kaum vorhandenen Überhänge vorn und hinten auf. Dadurch wirkt der Jaguar einerseits extrem bullig aber dennoch trägt das Design nicht auf. Wer möchte, kann sich den I-Pace in die Höhe pumpen und streunt dann damit allradgetrieben durchs Gelände.

Direkt von vorne und hinten betrachtet, präsentiert sich der Wagen dank schmaler Leuchteneinheiten sofort als Jaguar. Freilich ist die Kühlergrillmaske verschlossen – die nötige Kühlluft für die Technik holt er sich durch Öffnungen unter der Stoßstange und in der extrem kurzen Fronthaube. Die Dachlinie stünde auch einem Sportcoupé gut und hinter dem knackigen Stummelheck verbirgt sich ein einfach erweiterbarer Kofferraum mit gut nutzbaren 656 bis 1453 Litern Volumen.

Es wohnt sich ausgezeichnet im Jaguar I-Pace.

Da macht sich der lange Radstand positiv bemerkbar. Auch hinten longiert man unbeengt und dank 3-Zonen-Klimatisierung auch gut temperiert. Selbstverständlich sitzt man links vorne am liebsten – das ist bei allen Fahrzeugen der Marke Jaguar so. Die Briten haben ein tolles Cockpit-Ambiente geschaffen – alle Berührungspunkte greifen sich grandios edel an – allen voran das fette Sportlederlenkrad mit den cool beleuchteten Softtouch-Tasten.

Bedient wird der Jaguar I-Pace über zwei übereinander platzierte Touchscreens und zahlreichen, oft mehrfach belegte Schalter. So kann man die runden Temperaturregler hineindrücken oder herausziehen und damit mehrere verschiedene Einstellungen vornehmen. Kurz und gut: Einfach einsteigen und ohne Studium des Infotainments losbrausen ist nicht empfehlenswert – aber das ist bei den meisten Konkurrenzprodukten nicht anders. Der neue I-Pace Jahrgang wird in Sachen Usability besser aufgestellt sein.

Die Ledersitze sind übrigens eine Komfort-Offenbarung, wenngleich sich sportive Jaguar-Piloten vielleicht ein wenig mehr Seitenhalt wünschen würden. Denn Kurven beherrscht der I-Pace ganz vorzüglich. Das liegt einerseits an der super-präzisen und ausgesprochen direkt ausgelegten Lenkung und andererseits am tiefen Schwerpunkt. Dieser entsteht durch das im Fahrzeugboden eingebaute Akku-Pack. Dadurch wird der Jaguar richtiggehend auf die Straße getackert – Seitenneigung Fehlanzeige.

Bei aller Sportlichkeit bietet der I-Pace aber auch jede Menge Komfort – wie bei Automobilen dieses Kalibers üblich, kann man sich den I-Pace über verschiedene Modi nach Belieben herrichten. Wir haben alle durchprobiert und uns nach ein paar energieraubenden Brutalo-Beschleunigungsorgien im DYNAMIC Modus die meiste Zeit im KOMFORT- oder schlussendlich sogar sehr oft im ECO Modus wiedergefunden. Damit erreicht man die besten Reichweiten ohne allzuviel Verzicht üben zu müssen.

Apropos Reichweite: Jaguar gibt 470 Kilometer (nach WLTP) an.

Gleich vorweg – 470 Kilometer konnten wir im Test nicht verwirklichen. Dennoch fanden wir auch mit den von uns erfahrenen realistischen 375 Kilometern fast immer das Auslangen. Vor allem, wenn man den I-Pace “normal” bewegt und täglich seine 100 bis 200 Kilometer damit fährt, kommt eigentlich nie Reichweitenangst auf – Voraussetzung ist allerdings eine Lademöglichkeit zuhause. Aber das ist bei allen Elektroautos das Gleiche.

Über unsere Ladeerfahrungen wollen wir gar nicht mehr schreiben, schließlich hat ja Jaguar, wie oben bereits vermerkt, ordentlich nachgelegt: Kern des neuen Lademanagements im neuen Jahrgang ist eine Drei-Phasen-Wechselstromanlage. Mit ihr sinkt das Füllen des Lithiumionen-Akkus am heimischen Anschluss mit elf kW auf 8,6 Stunden. Je Stunde fließt Strom für 53 Kilometer Reichweite in die 432 Zellen der flüssigkeitsgekühlten Batterie. An Schnelladestationen mit 50 kW reichen 15 Minuten für 63 Kilometer, Lader mit 100 kW schaffen in der gleichen Zeit sogar 127 Kilometer.

Ebenfalls neu ist die Unterstützung bei der Suche nach freien Ladesäulen unterwegs. Über das neue Pivi-Pro-Infotainmentsystem werden damit nicht nur die naheliegendsten und am ökonomischsten anzufahrenden Stationen, sondern auch die voraussichtliche Ladezeit wird in Abhängigkeit der Leistungsfähigkeit der Ladesäule berechnet. Obendrein ermittelt der Assistent den Preis, der fürs „Nachtanken“ an dieser Station zu erwarten ist.

Fazit:

Die Reichweite sehen wir im Falle des Jaguar I-Pace nicht mehr als das absolute KO-Kriterium – er macht da eine sehr gute Figur, wenngleich es (noch) Geduld braucht, bis der große Akku voll ist. Fahrdynamisch bereitet der Wagen Riesen-Freude, auch die Vielseitigkeit und der Komfort sind markentypisch hoch.

Daten Jaguar I-Pace
Motor: Zwei Permanentmagnet-Elektromotoren
Leistung: 294 kW / 400 PS
Drehmoment: 700 Nm
Akku: 90 kWh, Lithiumionen
0 auf 100 km/h: 4,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h.
Reichweite (nach WLTP): 470 km
Test-Reichweite: 375 km
Testverbrauch: 25 kWh
Basispreis: ab 79.700 Euro

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