Elektromobilität und winterliche Temperaturen passen oft nicht so gut zusammen – außer man sitzt im vorgewärmten DS3 Sportback E-Tense – der hat serienmäßig eine Standheizung mit an Bord.

Rein elektrisch, ziemlich luxuriös und ziemlich französisch: Der DS3 Crossback E-Tense ist das erste reine Elektroauto der französischen Nobelmarke DS. Wie er sich im österreichischen Winter schlägt haben wir ausprobiert.

Seit über einem Jahr fährt der DS3 Crossback im Segment der kleinen Premium-SUVs. Kein einfaches Unterfangen schließlich tummeln sich dort etablierte Konkurrenten wie Audi (Q2), Mini (Countryman) oder Mercedes (GLA). Um da dagegen anzukommen, hat DS dem Dreier Crossback jede Menge französischen Esprit, viel Eigenständigkeit und Charakter mitgegeben.

Der DS3 Crossback E-Tense verfügt über jede Menge optische Eigenständigkeit – das größte Alleinstellungsmerkmal ist allerdings sein Elektroantrieb – den hat (noch) keiner seiner Konkurrenten.

Nach dem Start mit konventionellen Verbrennungsmotoren wird jetzt auch die rein elektrische Variante des DS3 Crossback angeboten. Der Stromer steht – genauso wie seine PSA-Konzernbrüder Opel Corsa und Peugeot 208 und 2008 – auf einer modularen Plattform (CMP), die eine hohe Antriebsvielfalt ermöglicht. Die 50 kWh fassenden Lithiumionen-Batterien sind platzsparend im Fahrzeugboden untergebracht. Daher gibt es im Innenraum auch keinerlei Einschränkungen für die Passagiere oder das Gepäck.

Der Elektromotor im DS3 Crossback E-Tense leistet 100 kW geradeaus und entfaltet ein Drehmoment von 260 Newtonmetern.

Die Kraftübertragung erfolgt über ein Ein-Gang-Getriebe an die Vorderräder. Nach dem Einlegen der Fahrstufe rollt der E-Tense lautlos los, doch schon ein leichter Tritt aufs Fahrpedal wird von dem Franzosen in flotte Beschleunigung umgesetzt. Wenn es sein muss, sprintet er im SPORT-Modus in 9,1 Sekunden auf Hundert. Im ECO-Modus wird die Motorleistung reduziert, um Energie zu sparen. Die Höchstgeschwindigkeit des DS3 Crossback E-Tense ist sinnvollerweise auf 150 km/h begrenzt. Bei artgerechter, also eher defensiver Fahrweise und optimalen Temperaturen kommt das SUV rund 300 Kilometer weit. Anders sieht die Sachlage freilich im Winter aus.

Eine Serien-Standheizung, wie im DS3 Crossback E-Tense sucht man bei der Konkurrenz vergeblich.

In unserem Fall waren satte Minus-Grade und nächtliches Parken im Freien angesagt. Diese Bedingungen knabbern dann schon ziemlich an der Reichweite. Mehr als 200 Kilometer innerstädtisch sind da nicht mehr realistisch. Dafür wartet der DS3 E-Tense mit einer serienmäßigen Wärmepumpen-Standheizung auf – einem Feature, welches in dieser Fahrzeugklasse selten bis gar nicht erhältlich ist. Diese lässt sich bequem im Auto oder per App programmieren und sorgt für ein abgetautes und innen wohlig aufgeheiztes Fahrzeug. Dies funktioniert übrigens nicht nur, wenn der DS3 an Steckdose hängt, sondern auch, wenn die Akkus mindestens zu 50 Prozent gefüllt sind.

Schnellladen in nur 30 Minuten möglich.

Durch die flotte Ladegeschwindigkeit relativieren sich winterliche Reichweitenverluste zum Teil. Sind die 50 kWh starken Akkus erschöpft, dauert das Nachladen an einer Wallbox mit 11 kW nur fünf Stunden, also nicht einmal eine Nacht. Wesentlich schneller gelingt der Vorgang klarerweise an einer Schnellladestation mit 100 kW. Dann ist der Akku innerhalb von nur 30 Minuten zu 80 Prozent wieder befüllt.

Anders als vom eher sportiven Mitbewerb gewohnt, verwöhnt der DS3 Sportback E-Tense in erster Linie mit französischem Komfort. Die Federung schluckt perfekt alle Unwägbarkeiten, die Lenkung ist leichtgängig und vor allem im Winter fällt der harmonische, ruckfreie Antrieb sehr angenehm mit wenig Schlupf auf Schnee auf. Das Auto lässt sich wunderbar weich bewegen und auch wenn man mittels Hebel auf B schaltet, also rekuperiert, bremst sich das SUV nicht brachial runter, sondern bleibt wunderbar ausgewogen.

Das Design des DS3 Sportback. Detailreich, frankophil und voll dem Premiumsegment entsprechend.

DS hat sich beim DS3 ordentlich ins Zeug gelegt – in jedem Bereich findet man liebevoll gestaltete und auch fein verarbeitete Details. Angefangen bei den automatisch ausklappenden Türgriffen, die sich nach Fahrantritt wieder leise in die Karosserie hineinziehen, bis hin zu den perfekt funktionierenden Matrix-LED-Scheinwerfern.

Es fällt auf, dass DS ganz bewusst andere – teilweise vielleicht etwas kompliziertere – Bedienungswege geht.

Hier haben sich die Innenraum-Designer eindeutig gegen die Pragmatiker durchgesetzt. Ein Beispiel sind die etwas verstreuten aber dafür totschicken, rautenförmigen Touch-Tasten am Dashboard. Einfach wegfahren ohne sich kurz vorher einen Überblick, wo was zu finden ist zu machen, ist da eher nicht ratsam. Wenn man aber das Fahrzeug dauerhaft fährt, sieht die Sache natürlich anders aus, irgendwann bedient man das alles (fast) blind.

Wie im Premiumsegment üblich, lässt sich das gediegene Ambiente im DS3 weiter verfeinern.

Beispielsweise mit individuellem Alcantara oder weichem Nappaleder. Letzteres ist übrigens für ein Fahrzeug dieser Klasse in verschwenderischer Form verbaut. Denn: Die gegerbte Tierhaut – in unserem Fall in cremigem Weiß gehalten – bespannt nicht nur das Mobiliar, sondern findet sich auch an den Türverkleidungen und am Dashboard wieder.

Unser Fazit

Der DS3 Crossback E-Tense ist ein feiner Elektriker der Premiumklasse. Er empfiehlt sich für Leute die auf unverwechselbaren Charme, gute Qualität und viel Komfort stehen. Wenn man dieses Fahrzeug artgerecht – also eher im urbanen Umfeld – bewegt , wird man auch immer mit den vorhandenen Akku-Kapazitäten locker sein Auskommen finden. Dieses Auto für längere Urlaubsfahrten zu benutzen wäre wohl eher Themenverfehlung.


Daten Fakten DS3 Crossback E-Tense
Motor: Synchron-Elektromotor
Leistung: 100 kW / 136 PS
Drehmoment: 260 Nm
Vmax: 150 km/h (elektronisch abgeregelt)
0 auf 100 km/h: 9,1 Sek.
Batteriekapazität: 50 kWh
WLTP-Reichweite: 332 km
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 17 kWh/100 km
Testverbrauch 19,9 kW/h
Preis: ab EUR 39.440,-

2 comments
  1. 1.) Beinahe jedes E-Auto lässt sich im Stand vorkonditionieren. Nicht immer per Wärmepumpe, ok. Aber das Vorkonditionieren ist bekannt und üblich.

    2.) Kein Wort zur Winter-Reichweite des kleinen Franzosen. Die ist nämlich aus eigener Erfahrung mit Peugeot e-208 sowie Opel e-Corsa (beide mit demselben Antriebsstrang) unterirdisch. Mehr als 200 Kilometer sind selbst auf vorsichtig gefahrenen Langstrecken schlicht unmöglich. Ein BMW i3 mit kleinerem Akku kommt weiter.

    3.) Die 80 Kilowatt Ladeleistung wurden im Test erreicht? Dann bitte per Bild im Artikel belegen. Auch hier zeigt die eigene Praxis: Die 80 Prozent in 30 Minuten sind nicht zu schaffen, es dauert über 50 Minuten.

    Insgesamt: Ja, das Auto fährt sich schön und ist auch optisch gut gelungen, aber solche Artikel führen zu unzufriedenen Käufern. Bestehende Probleme müssen angesprochen werden, dann können sich potenzielle Kunden darauf einstellen, und selbst entescheiden, ob das jeweilige Auto zum persönlichen Alltag passt.

    1. Danke für dein Feedback zum DS3 Crossback E-Tense. Hier ein paar Erläuterungen:

      ad 1.) da gebe ich dir im Falle von E-Autos recht, dass diese oft vortemperiert werden können. Nur beziehen wir uns auf die gesamte Fahrzeugklasse, also die kleinen SUV generell und da sieht die Sachlage mit der Serienstandheizung eher schlecht aus.

      ad 2.) Im Bericht findest du sehr wohl die Winterreichweite von max. 200 km. Diese wurden von uns im Test auch tatsächlich erreicht. Mehr ist aber definitiv nicht drin, da gebe ich dir recht.

      ad 3.) Die 80 kW haben wir in Ermangelung einer derartigen Ladesäule nicht erreicht. 50 kW waren aber drinnen.

      In diesem Sinne nochmals vielen Dank für dein Feedback. Auch wenn’s kritisch ist, haben wir uns sehr darüber gefreut. 😃

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