Mazda MX-30 Test #eslebedasauto

Mazda geht gerne eigene Wege: Der Wankelmotor, Rightsizing statt Downsizing beim Hubraum oder Sauger statt Turbo seien hier als Beispiele genannt. Jetzt machen die Japaner auch bei ihrem ersten Elektroauto MX-30 ihr eigenes Ding.

Während bei den Wettbewerbern üblicherweise die Batterie nicht groß genug sein kann, setzen die Japaner ebenso, wie bei den eigenen Verbrenner-Modellen auf das sogenannte „Rightsizing“-Konzept, nur dass hier halt eine geringere aber laut Mazda alltagstaugliche Reichweite zugunsten eines geringeren Gewichts und CO2-Bilanz reichen muss. Hört sich schlüssig an – nur wie lebt es sich mit diesem Ansatz?

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Mazda nennt eine WLTP-Reichweite von 200 Kilometern und verweist im selben Atemzug auf eine durchschnittliche Pendlerstrecke in Europa von 48 Kilometern.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt muss man sich im Mazda MX-30 aber naturgemäß mit weniger Reichweite zufrieden geben. 158 Kilometer meldete der Bordcomputer maximal nach einer Vollladung und bei 85 Prozent Batteriekapazität beispielsweise noch 130 Kilometer. Unser Testverbrauch lag bei circa 20,5 kWh – das dürfte dann im Sommer wohl annähernd für die versprochenen 200 Kilometer reichen. Für die Stadt gibt Mazda sogar bis zu 265 Kilometer an.

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Das Rekuperationsverhalten des MX-30 lässt sich in jeweils zwei Schritten über die Lenkradpaddels vermindern oder verstärken. Wir haben nach ausgiebiger Herum-probiererei die Mittelstufe am Ende beibehalten. Irgendwie wurde es uns zu mühsam, immer wieder zwischen den Rekuperationsstufen herum zu “paddeln”.

Ist also “Schnell mal öfters laden” die Lösung?

Nur bedingt – denn der lediglich 35,5 kWh fassende Lithiumionen-Akku im MX-30 lässt sich leider nur einphasig und dadurch dementsprechend langsam aufladen. So fließen selbst bei einer 22-kW-Wallbox nur bis zu 6,6 kW in die Batterie, so dass eine volle Ladung knapp 4,5 Stunden dauert. Mit einem dreiphasigen Lader wäre das in gut der Hälfte der Zeit erledigt. An der Schnellladesäule steht der Mazda mit 50 kW maximaler Ladeleistung gute 30 bis 40 Minuten, bis der leere Akku wieder zu 80 Prozent gefüllt ist. An der normalen 16-Ampere-Haushaltssteckdose beträgt die Ladezeit zehn bis zwölf Stunden.

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Dass der Mazda MX-30 innen nach Verbrenner klingt, macht ihn irgendwie noch sympathischer.

#eslebedasauto

Der Elektromotor leistet 145 PS (107 kW). Damit beschleunigt der frontgetriebene MX-30 in 9,7 Sekunden auf Hundert – bei 140 km/h wird sinnvollerweise elektronisch abgedreht. Irgendwie erfrischend, wenn man sich den Wahn nach Monsterleistungen bei den meisten derzeit käuflichen Elektro-SUV ansieht.

Den ansatzlosen Antritt beherrscht aber auch der Mazda MX-30 mit seinen 271 Newtonmetern Drehmoment ganz gut, wenngleich er dabei nicht lautlos bleibt. Mit steigendem Tempo ist ein sonor anschwellendes Geräusch im Inneren zu hören, welches dem Fahrer ein Gefühl für die Geschwindigkeit vermitteln soll. Mazdas Ingenieure ist die Soundabstimmung dabei ausnehmend gut gelungen. Der MX-30 klingt verhalten nach Verbrenner und gibt sich dadurch sportlich-präsent, aber dennoch unaufdringlich.

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Speziell für den Mazda MX-30 haben die Ingenieure die inzwischen in allen neuen Modellen eingebaute Fahrdynamikregelung G-Vectoring Control mit einer elektronischen Steuerung weiterentwickelt. Die ausgeklügelte Regelung von Drehmoment- und Radlastverteilung verbessert die Lenk- und Fahrstabilität auf kurvigen, aber auch geraden Abschnitten und verleiht dem kleinen Wagen ein ausgesprochen spaßiges Handling.

Keine Kompromisse macht Mazda in Sachen Sicherheit.

Für den MX-30 wurden die Assistenzsysteme noch weiter verfeinert. So erkennt der Notbremsassistent jetzt nicht nur Fußgänger- oder Radfahrer, sondern warnt mit einer zusätzlichen Kreuzungsfunktion beim Abbiegen vor einer drohenden Kollision. Ebenso verhindert ein noch empfindlicherer Totwinkel-Assistent Crashs beim Spurwechsel, während der neue Spurhalteassistent den Wagen nun auch ohne Fahrbahnmarkierungen unaufgeregt aber dennoch nachdrücklich in der Spur hält.

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Die Mazda-Designer haben bei der Gestaltung des MX-30 ein gutes Händchen bewiesen.

Der 4,40 Meter lange Crossover zeigt eine betont schnörkellos geformte Karosserie, die ausgesprochen modern, kompakt und ohne jegliches ChiChi rüberkommt. Das erst auf den zweiten Blick auffälligste Element sind die gegenläufig öffnenden Fondtüren, die ohne B-Säule auskommen – eine Hommage an den Mazda RX-8. Nicht so Mazda-kundigen Menschen fällt dabei in erster Linie der BMW i3 ein. Diese erleichtern zwar durch ihre fast 90-Grad-Öffnung das Einsteigen nach hinten, dennoch will man im Fond nicht zwingend sitzen – herrscht neben der fehlenden Beinfreiheit auch noch dank der Mini-Fenster hinten höhlenhafte Dunkelheit. Der Kofferraum besitzt mit 366 Liter etwas mehr Fassungsvermögen als ein Polo.

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Uneingeschränktes Lob gibt es für die Gestaltung und die Qualität des Interieurs.

Vor allem, wenn man aus dem eher “kostengünstig” anmutenden VW ID 3 in den Mazda MX-30 umsteigt, wird einem vor Augen geführt, wie ein hochwertiges Interieur, sowie dessen friktionsfreie Bedienung aussehen muss. Nicht nur weil Cockpit, Armaturen und Materialien perfekt verarbeitet sind und alles, was die Finger berühren, sich gut anfühlt. Ein Highlight ist die „schwebende“ Mittelkonsole, auf der sich der Schaltknauf und der Dreh-Drück-Controller für den 8,8-Zoll-Bildschirm und ein weiterer 7-Zoll-Touchscreen für die Klimatisierung befinden. Ebenso löblich: Mazda setzt weiterhin auf haptische Knöpfe und Tasten.

Kork, R-PET Kunststoff und veganes Leder – Mazda punktet mit nachhaltigen Materialien.

Die mittige Ablagefläche sowie die Türzuziehgriffe sind mit Kork bezogen – ein Tribut an die Anfänge des japanischen Unternehmens als Korkproduzent. Daneben gesellen sich Gewebe aus recycelten PET-Flaschen für die obere Türverkleidung sowie speziell entwickeltes Kunstleder, welches kaum von Echtleder zu unterscheiden ist.

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Unser Fazit:

Wer sich für den Mazda MX-30 entscheidet, der kauft einen Schuss Eigenständigkeit mit. Wer seine Mobilitätsbedürfnisse gut selbst einschätzen kann, eine Wallbox zuhause sein Eigen nennt und auch leistungstechnisch keine Höhenflüge braucht, wird mit dem Mazda MX-30 sicher gut leben können. Preislich startet der japanische Elektriker ab moderaten EUR 34.990,-.


Daten Fakten Mazda MX-30
Leistung: 107 kW / 145 PS
Drehmoment: 271 Nm
Akku: Lithium-Ionen, 35,5 kWh
Vmax: 140 km/h (abgeregelt)
0 auf 100 km/h:9,7 Sek.
Reichweite, kombiniert (WLTP): 200 km
Basispreis: 34.990 Euro

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